Sonntag, 13. November 2022


Vamos al fútbol....dos veces


FC Barcelona - FC Internazionale Milano 3:3 (1:0)

Camp Nou, Zuschauer: 92.302, Auswärtsfahrer: ~2.500

Espanyol Barcelona - Real Valladolid 1:0 (0:0)

RCDE Stadium, Zuschauer: 17.770, Auswärtsfahrer: ~46




Kaum aus London zurück, hieß es auch schon wieder Koffer packen und ab in den Süden. Es stand ein kleiner Urlaub an. Diesmal sollte es nach Spanien gehen, genauer gesagt nach Barcelona. Um zeitlich entspannt zu reisen, wurde der Flieger um 7:30 Uhr gebucht. Dass dies gleichzeitig bedeuten würde, um 3:50 Uhr aufzustehen, war mir in diesem Moment nicht wirklich bewusst. Frühes Weckerklingeln ist genau mein Ding. Alles andere als liebevoll holte mich das Alarmsignal am Reisetag aus den wohlverdienten Träumen. Im Badezimmer hatten die wenigen Aktionen noch weniger Tempo als sonst. Diese Uhrzeit ist wahrlich nicht meine Zeit. Schon gar nicht, wenn man erst um kurz nach 1:00 Uhr den Weg ins Bett findet. Der Koffer packt sich nun mal nicht von alleine. Nachdem das Badezimmer ohne größere Verletzungen verlassen werden konnte, schnappte ich den Trolley und stapfte in Richtung U-Bahn-Station. Dort das Ticket ziehen und ab zum Flughafen. In der Bahn schaute ich mir meine zur Arbeit fahrenden Mitfahrer an. Sie taten mir leid. Ich muss nur einmal diesen Wahnsinn mitmachen, die fast täglich. Am Airport des Vertrauens angekommen, noch fix das Gepäck aufgegeben und ab Richtung Gate. Bis hierhin lief es ziemlich stark. Mir fiel ein, dass in der Abflughalle A ja das Hamburger Überquell eine Zweigstelle hat. Das ist genau das richtige um diese Uhrzeit. Um 6:20 kann man schon mal ein Bier oder Ale zu sich nehmen. Leider fand ich den Weg zum Zapfhahn nicht sofort. Ich irrte planlos umher und fast hätte ich aufgegeben. Aber dann fand ich noch rechtzeitig die Schankstelle. Ich machte es mir direkt auf dem Barhocker am Tresen bequem und schaute mir die Karte an. Der Barkeeper brühte sich einen Kaffee und schaute mich fast freundlich an. Ich bestellte mir erstmal ein großes Ale. "Nö!" sagte mir der Zapfer in spe. "Wie...nö? Ich hätte aber gerne eines." sagte ich sichtlich erschrocken. Er habe ab 7:00 Uhr geöffnet und erst ab dann gäbe es etwas. Schlagartig war meine Laune im Keller. Frustriert machte ich kehrt, innerlich verwünschte ich den bockigen Zapfhahn-Verweigerer. Ich holte mir überteuertes Frühstück und wartete auf das Bording um 7:00 Uhr. Also genau dann, wenn 70 Meter weiter die Korken knallen werden. Prima. Der Flug war wahrscheinlich ereignislos, denn ich verschlief ihn fast komplett. 


In Barcelona angekommen machte ich mich direkt in die City. Ich nahm den Bus und musste dann irgendwann umsteigen in die U-Bahn. Um zum richtigen Gleis und dann zur La Rambla zu kommen, musste ich mehrere Treppen überwinden. Funktionierende oder generell Rolltreppen hält der Spanier für überbewertet, zumindest hatte ich den Eindruck. Irgendwann kam ich dann an mein Ziel, das Hotel in der City. Im Hotel hatte ich das Glück direkt einzuchecken und das Zimmer zu beziehen. Vorsichtshalber fragte ich den Rezeptionisten, ob man das Leitungswasser trinken könne. "Nun ja", antwortete mir dieser, "Der letzte Test fiel jetzt nicht ganz so gut aus." Er würde es eher nicht trinken, fügte er hinzu. Er empfahl mir den Wasserspender auf der Terrasse. Genau so wünscht man sich den Start in den Urlaub. Ich schlüpfte in die Shorts und machte mich los. Irgendwie war hier Tote Hose. Ich schlurfte Richtung Plaza de Catalunya. Auf den ersten Blick fand da eine Demonstration statt. Zumindest dachte ich es. Laut Internetrecherche war heute wohl ein Feiertag in Spanien. Es war Kolumbustag. Ich ging ein wenig herum und entdeckte einen Festumzug. Jede Menge bolivianische Tanzgruppen zogen durch die Straßen, sie tanzten und feierten in ihren Trachten. Das war ziemlich unterhaltsam. Ich verweilte etwas und machte mich dann wieder zurück Richtung Hotel. Unterwegs verhaftete ich noch geschwind einen Burger und ein Pale Ale. Im Hotel legte ich mich dann für gut 2 Stunden ab. Ich war irgendwie total müde. Keine Ahnung warum!?




Nach dem Nickerchen war Matchday. Direkt beim Verein konnte ich mir online das Ticket für das Champions League-Spiel gegen Inter Mailand buchen. Über den Preis braucht man nicht reden, er war und ist eine absolute Frechheit. Zumal ich im Oberrang weit oben sitzen würde. Ich machte mich in der Dusche frisch und dann auf die Socken. Da noch etwas Zeit war, suchte ich noch eine Kneipe mit Craftbier auf. Ich bestellte mir ein Sheffield Black & Gold Ale. Schmeckte gar nicht mal so gut. Ich quälte mit das Gesöff rein und nahm in Anschluss daran die Metro Richtung Nou Camp. Nach gut 20 Minuten Fahrtzeit war ich da. Einfach der Meute hinterher ist oft ein guter Ratgeber wenn man sich nicht auskennt. Das funktionierte in Rom, das funktioniert auch hier. Nach einem Marsch von etwa 10 Minuten stand ich vor Europas größtem Stadion. Leider gab es nicht viel zu sehen. Der Betonklotz war nicht mal richtig beleuchtet. Ich suchte den passenden Eingang und durchquerte den Sicherheitscheck ohne abgetastet zu werden. In der Luft spürte man eine gewisse Fußballatmosphäre. Das lang auch daran, dass man immer wieder Böller explodieren hörte. Ich vermutete, es waren die Italiener aus der Lombardei. Als ich die vielen Treppen in den Oberrang erklomm, hatte ich einen guten Blick auf den Gästeeingang. In der Tat, hier wurden immer wieder Böller gezündet. Der Weg der Gäste führte an dem von mir benutzten Treppenaufgang vorbei. Von den Italienern wurde ich ausgiebig beschimpft, so liebt man den Auswärtspöbel. Oben angekommen wollte ich mir erstmal etwas zu Essen und zu Trinken holen. Ich entschied mich für einen Hot Dog und ein Bier. Die Wurscht war alles, nur nicht gut. Das Dosenbier, welches mir in einen Pappbecher gefüllt wurde, glänzte durch keine Kohlensäure und war halbkalt, in Fachkreisen auch pisswarm genannt. Gut, man versuchte die Besucher offensichtlich zu vergiften. Deprimiert wurde ich von den riesigen Popcorntüten. Das erinnerte schon arg an ein Cinemaxx. Auf der Tribüne versuchte ich meinen Platz zu finden. Die Anordnung der Sitznummern und Reihen erschien mir sehr wahllos gewählt. Endlich fand ich meinen Platz. Dummerweise lungerte da eine Type auf meinem Platz herum. Der behauptete selbstsicher, er habe diesen Platz gebucht. Schnell den Stewart um Rat gefragt. Ich hatte recht und die Kanaille saß auf dem richtigen Platz, allerdings im falschen Block. Generell war es sehr kurzweilig dem Treiben der platzsuchenden Zuschauer zuzusehen. Das erstreckte sich bis in die 38. Minute. Wahnsinn! Die Vorzeichen für mein erstes Champions League-Spiel standen gut. Barcelona verlor in der Woche zuvor in Mailand mit 0:1. Heute mussten sie unbedingt gewinnen. Vamos! In meinem Block saßen zu 60% Touristen und der Rest waren eher wortkarge Spanier. Im Unterrang hinter einem Tor versuchten etwa 350 Ultras für gute Stimmung zu sorgen.  Das scheiterte kläglich bei diesem Operettenpublikum samt der Touris. Die Inter-Fans fielen in erster Linie durch Schnauze halten auf. Das könnte ein zäher Abend werden, befürchtete ich. Als Barca das 1:0 kurz vor der Halbzeit erzielte, wurde es schlagartig laut. Heftiger Torjubel! Na also, geht doch. Das Spiel war insgesamt recht flott. Nur die Stimmung war mau. In Halbzeit zwei wurde es besser. Inter machte den Ausgleich und kurze Zeit später die Führung. Jetzt versuchte Inter lauten Support in die Schüssel zu bringen. Dass dies allerdings nicht gelang ist dem Architekten der Hütte zu verdanken. Haben die Füchse doch eine hohe Plexiglaswand um den Auswärtsblock gebaut. Dazu wurde der Auswärtssektor in den Oberrang verortet. Hin und wieder hörte man sie, aber gedämpft. Die Spanier in unserem Block schimpften wie die Rohrspatzen auf ihr Team. Eigentlich schade, denn sie waren das bessere Team und versuchten alles. Aber hier ist man wohl besseres gewohnt. Während des Spiels ließ ich immer wieder meine Blicke schweifen. Egal wohin ich schaute, überall waren schwarz-weiße Aufkleber zu sehen. Möglicherweise war letztens hier ein Dekorationstrupp von Tine Wittler vor Ort und versuchte sich zu verwirklichen. Keine Ahnung, ist auch völlig egal. Ein gewissen Herr Lewandowski schoss dann den Ausgleich und zack.....es war wieder laut. Das war in Minute 82. Blöd das viele es nicht mehr mitbekommen haben, denn eine viertel Stunde vor Schluss fand die erste Völkerwanderung in Richtung Ausgang statt. Das 2:2 wollten die Italiener aber so nicht akzeptieren und stolperten eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit ihren dritten Treffer rein. Kompletter Stimmungskiller. Da war es dann auch egal, dass dieser Lewandowski erneut den Ausgleich erzielte. Abpfiff...Feierabend. Die Italiener feierten und Gastgeber labten sich in der Verwendung des Wortes "Puta". Keine Ahnung was die meinten. Ich machte mich ebenfalls Richtung Ausgang. Der Blick auf die Stadt blieb mir wegen Dunkelheit verwehrt.

Beim Abstieg aus dem Oberrang hatte ich das Gefühl an katalanischen Bergziegen vorbei zu kommen. Letztendlich waren es aber nur Italiener die mich erneut beschimpften. Glücklicherweise hatte ich mich während des Spiels mit zwei Kollegen des heimischen Clubs in Stadionnähe verabredet. Die beiden waren beruflich hier. Schnell Google Maps angeworfen und 15 Minuten später sah ich sie auch schon vor der Kneipe sitzen. Diese war auf den schönen Namen "Cerveseria Berlin" getauft. Ich begrüßte Ourewäller und den Vadder of two und ging hinein um eine Rutsche Bier zu holen. In dieser Berliner Kneipe hatten sie natürlich auch das passende Bier vom Fass, König Pilsener. Als ich dann eine Glückwunschurkunde von KöPi zum 29. Jubiläum sah, da war wirklich alles zu spät. Mit den beiden Herren entstand ein schöner Plausch über Fußball, ihren Podcast, das Arbeiten für eine schwedische Company mit amerikanischen Rednecks als Kollegen und Reisen mit Jogis Nutellaboys. Der ein oder andere Halbe Liter wanderte dabei über den Tisch. Die Jungs mussten am nächsten Morgen nur noch auschecken und heimfliegen. Ein Hoch auf den Late Check Out im Hotel. Das sollten sie hinbekommen. Ungünstig war, dass ich die letzte Bahn zurück ins Stadtzentrum verpasst hatte. Naja, einer geht noch. Danach checkte ich via Google die Möglichkeiten zurück zur Unterkunft zu kommen. Es fuhr noch ein Bus. Sehr gut. An der Bushaltestelle bemerkte ich, das ein Fahrplan mit Abfahrtszeiten nicht unbedingt bindend sein muss, da gibt es offensichtlich Verhandlungsspielraum. Der erhoffte Bus kam erstmal gar nicht und der darauffolgende tat es ihm erstmal gleich. Nach kurzer Rücksprache mit einer Einheimischen, keine Ahnung wo die jetzt her kam, wurde ich beruhigt, denn der Bus käme noch. Hmm...da kommen Erinnerungen aus Rom wieder hoch. Letztendlich nach über einer halben Stunde Wartezeit kam der Bus und ich konnte endlich ins Bett. 



Die darauffolgenden Tage wurden mit allerlei Tourikram gefüllt. Park Guell, das Aquarium, Sagrada Familia, Olympiastadion, altes olympisches Schwimmstadion und einiges mehr konnte begutachtet werden. Dazu wurden einige Highlights der spanischen Küche getestet. Ein Highlight war tatsächlich ein Besuch in der Moritzbrauerei. Dort war das Biertasting wirklich schmackhaft und im Gegensatz zu anderem spanischen Bier auch gut trinkbar. Schaut da unbedingt mal vorbei.



Sonntag war dann wieder Matchday. Diesmal ging es zum kleineren Club in Barcelona, zu Espanyol. Beim großen FC Barcelona fehlte mir alles was ich so am Fußball liebe. Die Erwartungen waren auf jeden Fall groß. Da der Tag mit einem mittelprächtigen Kater startete, der Moritz Brauerei sei Dank, war das erste Ziel erstmal ein Café zu finden. Da der Tag schon etwas vorangeschritten war, blieb für die Suche nicht viel Zeit, schließlich wollte ich ja auch noch an den Strand. Mit dem Café wurde es dann letztendlich doch wieder nichts. Allerdings gab es am Strand erstmal ein Bier und das war besser als nichts. Mir gefiel es gut sich am Spieltag am Strand auf das Spiel einzustimmen. Als es Zeit war aufzubrechen, mussten diverse Verkehrsmittel genutzt werden. Dabei bemerkte ich, dass durch den Umzug vom Olympiastadion ins RCDE Stadium, Espanyol gar nicht mehr in Barcelona spielt, sondern im Umland, in Cornella de Llobregat. In Llobregat angekommen, war ich positiv überrascht. Hässlicher Vorort und einige Plattenbauten. Ich steuerte erstmal eine Bäckerei an und orderte ein Baguette. In der Wartezeit suchte ich die Toilette auf. Junge, Junge...ganz schön abgeranzt. Dazu ein Duft nach Kloake. Das hat hier echt Potential. Ich schnappte mir mein erwärmtes Käse-Schinken-Baguette und machte mich auf den Weg zur Spielstätte. Auch hier galt, einfach dem Mob hinterher. Auf dem 15 minütigen Marsch durchquerte ich eine Fußgängerzone mit einigen interessanten Lokalitäten. Kurz vor dem Stadion gab es viele Eckkneipen die schon gut gefüllt waren. Fast alle schauten auf diverse Fernseher, denn es lief gerade das El Classico, Real Madrid - Barca! Hier gönnte keiner irgendjemandem den Sieg. Soviel stand zweifelsohne fest. Als ich am Stadion ankam, kam auch die große Enttäuschung. Es war ein sehr modernes Stadion mit angegliedertem Einkaufszentrum. Mist! Nachdem ich am falschen Eingang um Einlass gebeten hatte, musste ich um das ganze Stadion laufen. Offensichtlich fand hier ein Fanfest für die Kinder statt. Diverse Spiele wie  Fußball-Darts oder Kletterwände waren aufgebaut, dazu legte eine DJane Musik auf. Mein erster Eindruck war, hier ist der "Family Club of the Year" beheimatet. Nachdem ich den Eingang passiert hatte schaute ich mich in einem modernen 0815-Stadion um. Gut, ab zum Bierstand. Daraus wurde nichts, denn es gab hier kein Bier. Läuft ja wieder hervorragend. Ich nahm in Reihe 8 Platz. Das Stadion füllte sich und ob man es glaubt oder auch nicht, hier entstand wirklich Fußballatmosphäre. Es gab zwei Ultragruppierungen hinter dem Tor. Eine große mit ca. 350 Leuten und eine kleiner mit etwa 40 Mann. Die Große gab den Ton an. Die Kleine versuchte immer wieder ihre eigenen Lieder zu singen. Allerdings muss zugegeben werden, die kompaktere Gruppe hatte mehr und bessere Schwenkfahnen. Als das Spiel begann, war es angenehm laut und die Fans motiviert. Die Saison läuft für beide Teams noch nicht nach Wunsch und beide tummeln sich im unteren Tabellendrittel. Ein flottes Spiel bis zu Halbzeit, nur die Tore fehlten. Jetzt hatte ein anderer seinen Auftritt. Der Stadion-DJ legte Partyhits der 90er auf. Das machte richtig Laune, zumal die Lautstärke top war. Dann musste ich schmunzeln. Legt der doch glatt auch noch Scooter auf. Doch nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass es nicht Scooter mit "J'adore hardcore" sondern Mickie Krause mit "Düp Düp" handelte. Keine Ahnung ob der Kollege weiß was er da auflegte, aber das hatte schon Ballermann-Charakter. Wenn ich mal eine Party feiere, der Kerl wird gebucht. In Halbzeit Zwei war Espanyol weiter spielbestimmend. Die Gesänge des Heimteams wurden intensiver. Die Gäste beteiligten sich aber nicht daran. Sie beschränkten sich auf dumm aus der Wäsche schauen. Gut, waren ja auch nur etwa 46 Fans. Kurz vor Ende schoss dann Espanyol den verdienten Siegtreffer zum 1:0. Die Stimmung war am Siedepunkt. Das war richtig gut. Hier wurde der Schiri beschimpft, angefeuert und Fußball gelebt. Zufrieden machte ich mich zurück auf den Heimweg. Weg aus diesem Vorort zurück zur City Barcelonas. Noch schnell eine Paella reinfahren und mit einem Allhambra-Bier nachspülen und dann ins Bett.


Mr. Belvedere meldete sich während meines Aufenthaltes in Spanien und sagte, es würde Schwierigkeiten mit der Anreise zum Preston-Spiel im November geben. Er würde es canceln wollen. Das war sehr enttäuschend, denn Preston North End auswärts fehlt mir noch. Jetzt suchen wir eine Alternative. Im Raum steht, Cardiff auswärts im Januar sowie QPR auswärts im Februar. Dazu kommt noch der FA-Cup. Allerdings war der Urlaub nicht der richtige Ort dies zu klären. Ich blieb noch drei Tage in Barcelona. Das Fazit dieses Trips ist schwer in Worte zu fassen. Für Barca lohnt es sich nicht herzukommen. Espanyol war gut im Vergleich zum großen FCB, aber auch nicht die Wucht. Ob ich zum Fußball noch mal herkommen werde? Vielleicht irgendwann mal zu Valencia oder Bilbao.....wer weiß das schon? 



Adios Espana!






Sonntag, 23. Oktober 2022


Swinging London....im Doppelpack!

Millwall FC - Middlesbrough FC 2:0 (1:0)

The Den, Zuschauer: 15.638, Auswärtsfahrer: ~900  (08. Okt. 2022)

Wet Spam Talibans - Fulham FC 3:1 (1:1)

London Stadium, Zuschauer: 62.454, Auswärtsfahrer: ~ 1.800 (09. Okt. 2022)


Es war mal wieder an der Zeit ein Heimspiel des Herzensvereins zu besuchen. Nach langem Hin und Her fiel die Wahl auf ein Spiel gegen Middlesbrough. Das bot sich an, da der Autor zu diesem Zeitpunkt ohnehin Urlaub hat und am Sonntag noch ein zweites Spiel besucht werden könnte. Ursprünglich sollte das zweite Spiel Crystal Palace - Leeds United werden, aber wenn man intellektuell der Homepage des Heimteams unterlegen ist, dann wird das halt nix. Somit die zweite Wahl auf den verhassten Erzrivalen von Millwall. In deren neuem Stadion war ich noch nicht und vielleicht bekommen sie ja auf den Sack. Lassen wir uns mal überraschen.

Diesmal konnte die Reise ohne jeden Zeitdruck angegangen werden. Das kommt leider nicht so häufig vor. Bevor es zum Flughafen ging, noch schnell zum Barbier des Vertrauens. Die Haare wurden wieder akkurat  rasiert und gescheitelt, einen "German Haircut" wie Mr. Belvedere immer zu sagen pflegt. Bevor es dann zum Flughafen ging noch schnell die Wetter-App für London gecheckt, sehr gut, es sollte keinen Regen geben. Somit blieb die Jacke mit Kapuze zu Hause und ein Overshirt wurde mit in die Tasche gepackt. Der Weg zum Flughafen verlief ereignislos, selbst beim Einchecken sollte es keine Probleme geben. Das sah dann bei der Sicherheitskontrolle schon wieder anders aus. Hier spielte sich der zurecht unterbezahlte Security-Heini richtig auf. Weil offensichtlich zu wenig zu tun war, musste mein Beutel mit den Flüssigkeiten wohl besonders gründlich unter die Lupe genommen werden. Irgendwas schien ihm an meiner Pomade-Dose nicht zu gefallen. Er drehte und drehte den Beutel. Dann wollte er wissen, welche Füllgröße sie hatte. Keine Ahnung, erwiderte ich ihm. Ich wollte sie heraus holen. Offensichtlich war dies nicht erlaubt. Ich solle den Beutel nicht öffnen. Als er einen Schritt zurück machte, nahm ich den Beutel und holte die Dose heraus. Fehler! Jetzt muckte er herum, sie sei zu groß und könne nicht mit. Ach, die Zahncreme müsse auch gleich dableiben. Er gab sie mir in die Hand und wollte, dass ich beides entsorge. Jetzt wurde ich wirklich ärgerlich. Wenn er sie für nicht fluggeeignet hält, dann soll er sie doch selbst wegwerfen. Ich ließ ihn stehen und ging durch die Sicherheitsschleuse. Ob Worte wie "Clown" und "labere mich nicht voll" wirklich gefallen sind, das müssten die umstehenden Passanten gefragt werden. Schnell die Sachen wieder packen und ab zum Gate. Da genügend Zeit war, bin ich nochmal an den Verpflegungsstand und habe ein Bier, ein Helles, geordert. Das dies dann in ein Weizenbierglas gezapft wurde, will ich der jungen Dame nicht ankreiden. Immer noch besser als es in einem Plastikbecher zu bekommen. Im Flugzeug machte ich sofort die Augen zu und verschlief sogar den Start.


 In London angekommen, noch die Oystercard aufgeladen, und ab in die City. Der Besuch im Barbour-Store in der Regent Street fiel sehr kurz aus, denn es gab keine Schnapper zu ergattern. Somit machte ich mich auf den Weg nach Holborn, um Mr. Belvedere zu treffen. Dort angekommen erwartete mich typisch britisches Wetter. It was raining cats and dogs! Herzlichen Glückwunsch. Die App sagt noch immer 6% Regenwahrscheinlichkeit. Fix musste ich noch eine Zahncreme und Paste für die Haare holen. Der Pub in dem ich verabredet war, war zu weit weg, um ohne Jacke durch den Regen zu stapfen. Folglich hüpfte ich in den Pub ums Eck, "The Ship". Nach 2 Pints Ale für je knapp 7 Pfund traf ich mich mit Mr. Belvedere. Er war mit ehemaligen Arbeitskollegen unterwegs. Der Sparfuchs war mit ihnen in einen Wetherspoons Pub gegangen. Hier kosteten das Ale und das Lager nur die Hälfte. Nach einer Runde verabschiedeten wir uns und machten eine kleine Pubtour in Richtung U-Bahn-Station Channing Street. Wir besuchten drei weitere Pubs und nahmen dann den Zug zu ihm nach Hause. Auf dem Nachhauseweg erzählte er mir, in London sei am Samstag Bahnstreik und nicht alle Züge würden fahren. Desweiteren würden wir morgen Mittag zum Pie & Mash-Essen gehen. Na prima, zwei Hiobsbotschaften innerhalb eines Satzes. In seinem Domizil machte ich mich schnell bettfertig. Die neu erworbene Zahncreme schmeckte nach Klostein. Da wundert es niemanden, dass die Engländer nicht die besten Beißerchen haben. Guts Nächtle!
Es war Matchday! Voller Vorfreude machten wir uns fertig und verließen am Vormittag das Haus. Die Haarpaste war ähnlicher Schrott wie die Zahncreme, vergleichbar mit altem Fensterkitt. Dann lauf ich halt wie ein Trottel herum, nicht mehr zu ändern. Am Bahnsteig in Mr. Belveders Wohnviertel stellten wir überrascht fest, dass doch ein Zug nach London Bridge fahren würde. Sehr gut, so erreichten wir schneller unseren Zielort. Als wir ankamen liefen wir gut 15 Minuten zum "The George" Pub, in dem wir verabredet waren. Hier trafen wir wieder eine frühere Arbeitskollegin von ihm sowie ihren Freund. Zwei wirklich reizende Personen, aber es wurden sämtliche Klischees erfüllt. Sie ein Gingerhead in Übergröße und er ein schmächtiger Tommy mit kurzen Hosen und fahlem Hautkolorit. Wir nahmen ein Pint und gingen dann zu "Manze's Pie & Mash". In dem Laden gibt es nur dieses eine Gericht. Es ist eine Pastete mit angeblicher Fleischfüllung. Dazu gibt es Kartoffelbrei und eine Kräutersoße namens Liquor. Schneidet man in die Pastete, so kommen eine klare Flüssigkeit und ein brauner Glibber heraus. Die Soße glänzt durch Geschmacksneutralität. Wem gar nichts mehr heilig ist, der isst noch "Jelled Eels". Das ist in Gele eingelegter Aal mit Knochen. Der Südlondoner liebt es. Ich lehnte sowohl den Aal als auch den Liquor sowie eine zweite Pastete ab. Die Beschimpfungen der Engländer nahm ich dafür tapfer entgegen. Nach dem Mahl zurück in den Pub und schnell den Mund mit Ale ausspülen. Das klappte soweit gut. Mein Highlight war, als die Barkeeperin bemerkte, dass das Celtic Glasgow-Spiel begann, schaltete sie sofort auf irgendein Pferderennen. Hier werden noch die richtigen Prioritäten gesetzt. Zossen vor Celtic. Sehr gut!







Wir machten uns nach zwei weiteren Runden ab zum Spiel. Sicherheitshalber nahmen wir den Bus. Im Stadion angekommen trafen wir Mr. PK sowie Mr. Elephant & Castle. Ich war voller Vorfreude. Meine englischen Freunde hingegen nicht. Im Stadion wimmelte es vor Touristen und American Football-Fans. Keine Ahnung was die alle hier wollten. Zumindest sorgte es dafür, dass keine Stimmung aufkam. Millwall bestimmte das Spiel von Minute 1 an. Es war ein nie gefährdeter 2:0 Heimsieg. Zian Flemming netzte zweimal. Die Gäste aus dem Norden waren gut vertreten, feuerten ihr unterlegenes Team aber auch nicht wirklich an. Mir gefiel es endlich mal wieder hier zu sein, auch wenn es nur bei den beiden Toren laut wurde. Erstaunlich war, dass etliche Leute grün trugen. Ein Millwall-Lad rief einem Grünen zu: "What Packer you are?" Aus dem Off  kam die Antwort "Vegetables Packer!" Sehr schön, immer gut, wenn die Richtigen verarscht werden. Offensichtlich fand am darauffolgenden Tag ein NFL-Spiel mit den Packers satt. Juckt halt keinen. Dass American Football für mich Rugby mit bunten Leggins und Helm ist, das sei nur am Rande erwähnt. Nach dem Spiel passierten wir eine Wurstbude mit German Sausage und Currywurst. Schön, dass man sich hier bemüht ordentliches Essen an den Mann zu bringen. Wir liefen zu Canada Water, um von dort die Tube zu London Bridge zu nehmen. Gegenüber des Borough Markets befindet sich der Pub "Market Porter". Hier trinken wir nach den Spielen ganz gerne ein paar Pints. Ich bemerkte, ich habe keine EC-Karte dabei. Mist! Meine Kreditkarte war nicht lesbar. Das ist jetzt aber gar nicht mal so gut, denn mein Bargeld wollten die wiederum nicht. Blöde Situation. Mr. Belevedere kümmerte sich um die Rechnung, guter Mann. Lustigerweise verirrte sich auch noch eine deutsche Hopperline in diese Gegend. Die Welt ist klein. Als Big John auch endlich eintraf, verlagerten wir den Abend ins "The Sheaf". Mir ist immer noch ein Rätsel, warum es die Jungs stets in diese ungemütliche Kaschemme zieht. Immerhin mochte man hier mein Bargeld. Ginger und ihr kleiner Freund waren immer noch dabei. Erstaunlich, denn die Gute knallte sich den ganzen Tag schon Vodka mit Lemon in die Figur. Als sich der Abend dem Ende neigte, dackelten Mr. Belvedere und ich zum Zug zurück nach Hause. Wir freuten uns, dass der Streik für uns nicht wirklich stattfand. Allerdings hatten wir die Rechnung ohne den Lokführer gemacht. In Deptford ließ er verlauten, er mache jetzt Feierabend und fahre nicht weiter. Good Night! Wir stiegen aus und versuchten ein Uber oder ein Taxi zu ergattern. Fehlanzeige! Keinen Handyempfang und der Taxistand setzte schon Staub an. Hier war nix zu machen. Wir liefen etwas planlos durch die Straßen und wie durch Zufall entdeckte Mr. Belvedere eine Fahrgelegenheit. Er hielt ein weißes Taxi an, einen Elektro-Bentley. Sehr nobler Hobel, aber auch standesgemäß für uns zwei Schnapsdrosseln. Für über 40 Pfund fuhr uns der Kutscher aus Karachi nach Hause. Dort angekommen noch schnell die Zähne mit der Ekel-Zahnpasta geschrubbt und ab ins Bett.



Mit einem leichten Schädel wachte ich auf und machte mich langsam startklar. Mr. Belvedere schlug vor, wir könnten Richtung Woolrich fahren, dort frühstücken und ich dann weiter zu den Bastards in Claret & Blue. Klang für mich vernünftig. Allerdings hatte ich das Problem, dass ich Geld brauchte. Die EC-Karte hatte ich ja tags zuvor vergessen und die Kreditkarte wurde nicht gelesen. Am Bahnsteig des Vorortbahnhofes änderten wir die Pläne und fuhren doch zu London Bridge. Am Bankomat wollte ich mir wieder paar Scheine ziehen. Denkste! Auch diese Karte wurde nicht akzeptiert. Das war jetzt eher suboptimal. Mit dem letzten Bargeld lud ich die Oystercard erneut auf. Zumindest sicherte es mir meine Fahrt zurück nach Heathrow. Mit den letzten Pfund steuerten wir einen Pub an der Tower Bridge an. Ohne ein Traditional English Breakfast kann man unmöglich dieses Land verlassen. Dazu ein Doobar Ale und der Tag ist gerettet. Im Pub fiel uns eine gagernde Frauengruppe auf. Die feuerten sich nicht nur Wein hinein, nein, da ging auch der ein oder andere Kurze durch die Kehlen. Zuerst dachten wir, sie seinen übrig geblieben von einem Mädelsabend. Bei genauerer Betrachtung fiel auf, einige der Hühner hatten Schals von Fulham dabei. Das hatten wir beide nicht erwartet. Alleine deshalb gönnte ich den Cottagers den heutigen Sieg im Spiel. Wir aßen auf und gingen zurück zu Bahnhof. Dort angekommen steckte mir Mr. Belvedere 20 Pfund zu. Man könne nie wissen ob man sie nicht doch brauchen könne. Mr. Belvedere ist eine wahrer Freund. Millwalls Finest! Wir verabschiedeten uns und ich machte mich auf den Weg zu Spiel 2.


In Stratford angekommen wusste ich erstmal nicht wo genau ich hin musste. Es war hier einiges los. Die altbewährte Taktik, einfach der Meute hinterher laufen, klappte auch hier hervorragend. Aus dem Bahnhof raus und links die Treppen hoch. Ich war etwas verdutzt, denn wir liefen über eine Brücke direkt auf ein Einkaufszentrum zu. Um Gottes Willen! An dieser Mall standen dann Stewards mit Wegweisern herum, die einem den Weg zum London Stadium zeigten. Was muss man während seiner Schulzeit getrieben haben, um so einen Job annehmen zu müssen, dachte ich mir. Keine Ahnung. Hinter dem Shopping-Center konnte man das Stadion sehen. Eine große Schüssel, die so gar nicht zum Club passt, aber leider zum heutigen Fußball. Ich hatte allerdings die Hoffnung, dass es im Stadion besser werden würde. Am Eingang führte ein Ü60-Rastafari meine Kontrolle durch. Er tastete mich ab und als ich ihm meinen Rucksack hinhielt, zeigte er sich wenig interessiert und winkte mich durch. Okay, der denkt ich bin ein typischer Tourist. Heute hatte er sogar Recht. Da ich zu dämlich war die Wegweiser zu lesen musste ich einmal komplett um das Stadion laufen. Mann, Mann, Mann. Ab durch das richtige Drehkreuz und hoch in den richtigen Block. Auf dem Weg passierte ich Doritos Nachos und Popcorn-Stände und der Ekel setzte sich mir in den Nacken. Irgendwann fand ich meinen Platz und setzte mich. Unter dem Sitz war genügend Platz für den Rucksack. Ich fühlte mich wie in einem großen Open Air-Theater, aber nicht wie in einem Fußballstadion. Nur langsam füllte sich der Ground. Kurz vor Spielbeginn erklang das Kinderlied und über diverse Maschinen flogen zahlreiche Seifenblasen Richtung Spielfeld und Tribüne. Laut mitsingen können sie also noch, musste ich mir eingestehen. Ich schaute mich im weiten Rund um und suchte verzweifelt den Gästeblock. Der war hier nicht auszumachen. Erst als Fulham in einem recht flotten Spiel das 0-1 erzielte entdeckte ich sie. Schöner lauter Torjubel. Da waren bestimmt die Birds von vorhin, voll in ihrem Element. Um mich herum saßen viele Hopper und Touristen. Lustig war der Typ neben mir, der sich für eine Schweinekohle die Karte für dieses Spiel gekauft hatte, aber lieber auf dem Handy Feyenoord Rotterdam - FC Twente reingezogen hat. Jedenfalls wurde nun klar, weshalb so viele Hopper und Touris bei Millwall waren. Der Schwung Dänen hinter mir, als auch die Holländer zu meiner Linken waren wohl freitags bei QPR, samstags bei Millwall und sonntags hier bei Wet Spam. Das erklärte das gestrige Phänomen. Schrecklich, aber heute war ich ein Teil davon. Zurück zum Spiel. Tempo war gut, gute Zweikämpfe. Das passte soweit, nur das Ambiente nicht. Die Bubbles glichen via Elfmeter aus. Da war es dann schön laut. Gleiches galt für die Führung in Halbzeit 2, sehr laut. Erschreckend war, dass sich das Stadion ab der 75. Minute merklich leerte. Dabei drängte Fulham immer wieder auf das 2:2. Ich vermute, viele Touris wollten anscheinend vor der Masse zur Bahn kommen. Schade. Letztendlich endete das Spiel 3:1 für das Heimteam. Ich machte mich auf den Weg Richtung U-Bahn. Das Einkaufszentrum war nun abgeriegelt und man wurde durch unfassbar viele Stewards um dieses herum geleitet. Organisiert sind die hier, muss man ihnen ja lassen.


Mit der Underground ging es dann zum Flughafen. Nach 29 Stationen erreichte ich diesen dann auch. Richtige Ochsentour. Das Einchecken und die Sicherheitskontrolle waren schnell bewältigt. Dass meine Bankkarten nicht funktionierten, das fuchste mich noch immer. Also ab an den ATM-Geldautomaten. Hier im Transit bekam ich Geld. Junge, ich werde in diesem Land noch mal verrückt. Schnell noch einen Snack geholt und dann ab nach Hause. Es war wie so oft ein gelungenes Wochenende in Swinging London. Es hat sich erneut gezeigt was ich an Millwall so liebe und weshalb ich gerne in dieser Stadt verweile. Und der Sonntag wiederum zeigte noch mal auf, was ich alles am Modernen Fußball so hasse. Wet Spam hätte in seinem Boleyn Ground am Upton Park bleiben sollen. Hier gehört der Club hin. Aber sie denken, sie seien ein großer Club der zu mehr berufen ist. So kann man sich auch selbst belügen und bekommt was man verdient. Gegen den Modernen Fußball!

Millwall.....see you soon.....at PNE!












Freitag, 12. August 2022

Dirty Old Town, schön dich wieder zu sehen!


Shamrock Rovers - Drogheda United 1:1 (0:0)

Tallaght Stadium, Zuschauer: 3226, Auswärtsfahrer: ca. 180 (23.Juli 2023)



Es war mal wieder so weit, die Insel rief. Allerdings nicht die Lieblingsinsel des Fußballs, nein, es war die Grüne Insel, westlich daneben. Es ging nach Irland, genauer gesagt nach Dublin. Für diese Reise war die Maschine natürlich zu begeistern. Auch der Teutone aus Desborough ließ sich nicht lange bitten und bestieg einen Ryanair-Bomber. Er war mit dem Junior schon bei zwei Millwall Spielen, in Stoke-on-Trent sowie in Peterborough, dabei. Diesmal kam er allein. Dies ließ auf einiges hoffen. Damit den Jungs nicht langweilig werden würde, kümmerte ich mich im Vorfeld um das Kulturprogramm. Naja, bisserl Touri-Quatsch sollte auch nicht fehlen. Die Organisation kostete mich im Vorfeld schon einige graue Haare. Nicht nur, dass ich es verbummelt hatte mich rechtzeitig um Karten für Bohemians gegen St. Patrick, einem Dublin-Derby, zu kümmern, nein, auch das Spiel der Shamrock Rovers stand unter keinem guten Stern. Zwei Tage vor dem Spieltag wurde es von Freitagabend auf Samstagnachmittag verlegt. Prima, da hatten wir eigentlich einen Termin. Somit musste dies in den Nachtstunden kurz vor der Reise wieder umgebucht werden. Aber der Reihe nach. Zusätzlich zu dieser Problematik funkte Deutschlands größter Flughafen personaltechnisch SOS und es war Ferienbeginn in diversen Bundesländern. Das kann ja heiter werden.

Um dem zu erwartenden Chaos am Flughafen entgegenzuwirken kamen wir auf die Idee, uns gut 3 Stunden vor Abflug am Airport zu treffen. Folglich klingelte der Wecker um 3:10 Uhr. Um 3:20 Uhr rollte ich mich aus dem Bett und schlurfte ins Badezimmer. Wenn 5:00 Uhr schon nicht meine Aufstehzeit ist, kann man erahnen, wie es mir in diesen Morgenstunden erging. Trotz aller Müdigkeit bekam ich den Badezimmerakt gut hinter mich. Ich schnappte meine Tasche und schleppte mich zur nächstgelegenen U-Bahn-Station. Statt diese U-Bahn für mich alleine zu haben, saßen hier einige fleißige Bienchen und fuhren zur Arbeit. Meinen Respekt, das wäre nichts für mich. Da die VGF in diesen Morgenstunden noch keine Gelegenheit hat durch Inkompetenz zu glänzen, kam ich problemlos zum Flughafen. Den Check-In erledigte ich glücklicherweise schon am Vorabend. Abfluggate B27. Somit schlich ich in Abflughalle B. Ich war um 4.30 da. Wo war die Maschine? Kurzer Anruf und er teilte mir mit, er stehe in Abflughalle A, so wie es an der Schautafel angezeigt sei. Hmm...stimmt. Somit machte ich mich auf den Weg in Halle A. Als ich in Abflughalle C stand merkte ich, ich war definitiv noch nicht wach genug für diesen Quatsch. Auf dem Hacken machte ich kehrt und lief zurück. Kurze Begrüßung und ab zu Einscannen der Bordingcard. Leck mich am Arsch, hier war um 4:40 Uhr schon eine gut 250 Meter lange Warteschlange. Wir reihten uns hinten ein, und standen wieder in Halle B. Zu unserer Überraschung ging es aber zügig voran. Wir scannten nach ca. 20 Minuten unsere Bordingcard und.....nix passierte. Eyy, das darf doch jetzt nicht wahr sein. Das Servicepersonal kam angedackelt und teile uns mit, wir müssten in Halle B einchecken. Wir wiesen den Kollegen darauf hin, dass auf der Anzeige aber Bereich A stehe. "Ist dann halt falsch" erwiderte er uns. Allerdings war er so freundlich uns manuell hier durchzuschleusen. Wir bekamen den Hinweis nach der Sicherheitskontrolle zu Gate A14 zu gehen und dort durch den Tunnel zu den Gates im Abschnitt B. Wieder was gelernt, hier gibt es Tunnel. Auch den Security-Check meisterten wir problemlos und zügig. Schnell noch den "ärgerlichen Smiley"-Button zur Bewertung der Mitarbeiter gedrückt und ab durch den Tunnel zum Abfluggate. Das Personal muss ja motiviert werden. Spätestens jetzt ist klar, den Himmel werde ich nie sehen. Jetzt hatten wir gut 100 Minuten bis wir zum Borden können. Wir waren eindeutig zu früh da. Der Maschine war das egal, fand er doch ein Plätzchen, um die Quanten hochzulegen und ein Nickerchen zu machen. Ich war puppenmunter, nichts mit schlafen. Als es Zeit war zum Gate zu gehen, machten wir uns auf den Weg. Hier in der Warteschlange tummelte sich so ziemlich alles. Ökos, Iren, Hipster, Saufnasen und 4 Mädels, die eindeutig den Irish Travellern zuzuordnen waren. Und ja, es wurden sämtliche Klischees erfüllt. Der Flieger war proppevoll und  dann ging es endlich los. Leider war für mich nicht an Schlaf zu denken. Paar Reihen hinter mir hockte eine Gruppe Suffpiraten. Die laberten den kompletten Flug über in ihrem pfälzer Dialekt. Herr im Himmel, das geht mit der Zeit schon aufs Gemüt. Um das Ganze noch zu toppen, fingen direkt nach der Landung einige Leute an zu klatschen. Manchmal kann man sich nur an den Kopf fassen. Was stimmt mit diesen Leuten nicht? Nach der Einreise warteten wir noch knapp 40 Minuten auf den Teutonen, der aus Birmingham einflog. 




Als unsere Reisetruppe komplett war, machten wir uns auf den Weg zum Bus und fuhren Richtung City. Nach gut 20 Minuten waren wir da. Ich war überrascht wie schnell es ging. Hatte aber nicht mehr auf dem Schirm, dass mittlerweile der Harbour-Tunnel in Betrieb war. In Dublin angekommen, gingen wir zum Hotel und gaben unsere Taschen ab. Die Jungs hatten Hunger, also suchten wir uns eine stadttypisches Café. Hier nahmen die Buben erstmal ein Guinness und ein Irish Breakfast bzw. ein Omlett mit Toast ein. Gewissenhaft wie ich bin, trank ich ein Wasser und aß ein Sandwich mit Fritten. Gesundes Essen ist ja sooo wichtig. Nach dem Lunch liefen wir noch ein wenig durch die Gegend, um dann endlich den ersten Pub anzusteuern. Der "Lord Edward Pub" war ein schlichter Pub, in dem sich schon zur Mittagsstunde die Bezirksdrinker versammelten. Wir waren die jüngsten Besucher, das will was heißen. Wir stellten uns an die Theke und bestellten erstmal ein 5 Lamps Pale Ale. Herrliches Ale und meine Müdigkeit verflog. Im TV liefen Berichte über Pferderennen und die anderen Gäste zeigten sich durchaus interessiert. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Pubbesitzer verließen wir Lokalität und machten uns auf zur nächsten. Wir hatten mehrere zur Auswahl und entschieden uns für die "Bakers Bar". Hier gab es eine überzeugende Auswahl unterschiedlicher Ales und Lager. Wir nahmen erneut den Thekenplatz ein und und probierten diverse Pints. Es ist jetzt nicht die ideale Vorbereitung für einen Besuch im Guinness Storehouse, aber was will man machen?! Nach dem der Level stieg, schafften wir den Absprung, um noch rechtzeitig zu unserem Eintritts Slot zu kommen. Für den Teutonen war es der erste Besuch, wir beiden anderen kannten uns schon aus. Hier ist es eigentlich ganz interessant, wenn man aber schon mal da war, nicht mehr ganz so aufregend. Bei der Probeverköstigung griff ich gleich doppelt zu. 0,15l ist einfach zu wenig. Außerdem sieht es immer besser aus, wenn man von zwei Gläsern eines zurück gibt, anstatt von einem gar keines. Nachdem wir alles in Ruhe angesehen hatten, fanden wir den Weg zur Topbar. Hier konnte der Gutschein für ein Pint Guinness eingelöst werden. Herrlich gezapft und cremig. Jetzt kann's los gehen. Es dauerte nicht lange und wir hatten einen Tisch mit Barhockern. Das war wichtig, denn die Maschine schleppte eine Knieverletzung mit sich herum. Wir labten uns am Bier und der Invalide findet doch glatt einen weiteren Gutschein für ein Gratis-Pint. Glück muss man haben. Der Teutone schaute etwas neidisch auf den Voucher. "Ich kauf jetzt noch zwei" sagte er. Das hatte er sich so gedacht, denn der Barkeeper sagte ihm, er könne hier keines kaufen. Enttäuscht kam er wieder zurück. "Jetzt noch ein zweites Pint, das wäre es", wünschte er enttäuscht in die Runde. Keine zwei Minuten später kamen zwei Ami-Ischen vorbeigewackelt und boten ihm zwei Guinness-Gutscheine an. Sie würden kein Bier mögen. Ohne langes Zögern griff er zu und verschwand wieder an den Tresen. Juhu, zwei weitere Guinness für die Herren. Gerade wollten wir hier das erste Pint leeren kam eine Mitarbeiterin des Storehouse zu uns an den Tisch und knallte drei weitere Pints Guinness auf den Tisch. Die Pints wurden nicht abgeholt und wir sähen aus als ob wir die vertragen könnten, meinte sie und ging wieder. Ja gut, was soll man machen? Wenn sie jetzt noch die Musik anmachen würden, dann könnte das hier einen lustigen Verlauf nehmen. Leider kam es nicht dazu. Als wir ausgetrunken hatten, gingen wir bierselig zurück zum Hotel. 




Schnell eingecheckt und ab aufs Zimmer. Wir zogen uns um und machten uns auf den Weg zum Abendessen. Ich hatte mir den Pub "The Celt" ausgesucht. Im Internet sah er klein und schnucklig aus. Nach etwa 10 Minuten Fußmarsch waren wir da. Die Schankstube war in der Tat nicht groß, allerdings gab es noch eine Art Außenbereich und weiteren Gastraum. Wir bestellten typische Gerichte der Pubküche, wie z.B. Bangers & Mash. Einfach herrlich zum Pint. Nach dem Essen gingen wir in den ersten Schankraum. Hier spielte ein Duo Irish Folk Music. Gefühlt waren wenige Touris vor Ort und wir genossen den Abend. Die Guinness Pints flogen förmlich voll in unsere Hände und verließen sie schnell wieder geleert. Ein wunderbarer Abend gestaltete sich. Nach gut 3 Stunden war es an der Zeit einen weiteren Pub aufzusuchen. Wir liefen plan- und ziellos durch die Straßen und standen dann vor dem Pub "Broidys". Von außen ziemlich abgeranzt, also genau das richtige für uns. Wir gingen rein und trauten unseren Augen nicht. Gefühlt wurden wir ins Jahr 1975 katapuliert. Hier schien die Zeit still zustehen. Hell wie in einem Stadion, das Publikum 70+ und die Einrichtung ähnlich alt. Sämtliche Augen waren erstmal auf uns gerichtet. Siegessicher steuerten wir die Theke an, nahmen Platz und zur Abwechslung mal 3 Guinness bestellt. Mich holte diese Kaschemme irgendwie ab, die anderen beiden fanden das hier dann doch eher semi-gut. Ich hatte jeden Moment das Gefühl, hier kommt gleich ein Typ mit einer Tarnjacke und einer Wollmütze mit Sehschlitzen rein und sagt, der Laster nach Londonderry fährt gleich los. Wahnsinn! Die Stimmung des Teutonen und der Maschine ließ merklich nach. Wir hätten bei der Musik bleiben sollen, war die einhellige Meinung. Wir verließen diesen ehrwürdigen Ort und schlenderten in Richtung Capel Street. Hier wollten wir in einen Pub mit Musik. Dort angekommen winkte das "Slattery's" förmlich nach uns. Die laute Musik war auch nicht zu überhören. Wir stürmten rein und sicherten uns direkt den Platz an der Sonne. Während die anderen beiden beim Guinness blieben, naschte ich mich durch diverse Ales. Herrliche Auswahl und los geht's. Die Musik entwickelte sich zur Discomusik der 90er. Genau unser Ding zu dieser Zeit und passend zum Zustand. Es war zwar nicht mehr viel los, aber das war uns ja egal. Ein paar ü50-Jährige Irinnen schwangen dort das Tanzbein und animierten uns mitzumachen. Zwei Drittel unserer Reisegruppe blieben standhaft. Der Teutone erlag dem Charme der Wuchtbrummen und nahm die Aufforderung an. Als sie dann gegenseitig ihre Hintern aneinander rieben dachte ich, jetzt ist alles zu spät. Wehe der nimmt die mit, dachte ich mir. Nach zwei, drei weiteren Pints machte sich bei mir Müdigkeit breit und wir machten uns auf den Weg zurück zur Unterkunft. Glücklicherweise zu dritt. Vorbei an diversen betrunkenen Nachtschwärmern stolperten wir zum Hotel. Dort angekommen machten wir uns bettfertig und schnarchten im Kanon durch die Nacht.




Der Wecker klingelte mich unsanft aus den Träumen. Puuh Glück gehabt, keinen wirklichen Kater. Dann kann es ja los gehen. Die anderen beiden waren wohl schon deutlich früher wach, nennt sich dann wohl senile Bettflucht. Ab in die Dusche und rein in die Klamotten. Wir suchten uns ein kleines Café und frühstückten erstmal. Da es noch zum Fußball gehen sollte, musste natürlich ein Full Irish Breakfast her. Der Teutone bestellte provokant ein English Breakfast. Das juckte die osteuropäische Bedienung nicht mal im Ansatz. Tja, nicht jeder Gag funktioniert. Zu meinem Frühstück bestellte ich mir den passenden Tee und verbrannte mir zweimal die Zunge. Das geht ja wieder gut los. Nach dem Bezahlen gingen wir zur Tram und fuhren zum Stadion der Shamrock Rovers. Die Bahn hielt gefühlt an jeder Kaffeetasse und so zogen sich die gesamten 40 Minuten Fahrtzeit wie Kaugummi. Da sorgte nicht mal das Essverhalten von drei Hopperfreaks für Erheiterung. Plötzlich meldete sich der Tramfahrer und brabbelte irgendetwas. Keine Ahnung was der wollte. Jedenfalls stiegen wir dann an der Haltestelle "Red Cow" im nirgendwo aus. Warum taten wir das? Weil die anderen es auch taten. Und da einige Trikotträger dabei waren, sollte das wohl richtig sein. Gut 10 Minuten später kam die nächste Bahn und wir fuhren gen Stadion. Nach dem Ausstieg liefen wir die letzten Meter zum Ground. Klein, aber fein. Die Gegend sehr langweilig, aber man kann eben nicht alles haben. Wir gingen durch das sehr enge Stadiontor und suchten uns einen Platz auf der Hintertortribüne. Insgesamt besitzt das Tallaght Stadium 3 Tribünen und fasst gut 8.000 Zuschauer. Angeblich haben die hier 9 Jahre an der Butze gebaut. Fragt man sich was da so lange gedauert hat. Hier spielte nun der Tabellenführer Irlands gegen ein Team der unteren Tabellenregion. Da waren die Erwartungen nicht all zu hoch. Dass diese dann noch unterboten wurden, damit konnte man nicht rechnen, zumal die Rovers aktuell in der Champions League-Qualifikation spielen. Droghedas Fans zeigten ein Banner mit der Aufschrift "Ultras" und auch Shamrock zeigte in seinem Stimmungsblock das sie eine Ultragruppe hatten. Beide sangen ihre Liedchen. Das ließ aber die Spieler ziemlich unbeeindruckt. Die kickten mit hanebüchenen Aktionen munter vor sich hin. Ein Spiel zum vergessen. Dass es im Stadion nicht mal Bier gab, sorgte zusätzlich für einen Stimmungskiller in unserer Reisegruppe "Hässlich". Als wir schon mit einem 0:0 rechneten stolperten die Shamrock Rovers den Ball doch noch ins Tor. Es kam tatsächlich Stimmung auf. Wer hätte das gedacht? Das war der Startschuss zu einem munteren Spielchen in den letzten 10 Minuten. In der 87. Minute erzielte Evan Weir den Ausgleich für Drogheda. Während im Auswärtsblock gefeiert und ein Bengalo gezündet wurde, stellte sich dieser 20-jährige Rotzlöffel vor den Shamrock Rovers-Fanblock und verteilte Küsschen. Diese Liebe wurde ihm allerdings nicht erwidert. Ihm wurde schnell und unmissverständlich gesagt, was man von ihm und seiner Mutter hält. Endlich war hier was los. Wir drei lachten uns kaputt. Hat sich das Hergeeiere doch noch gelohnt. Es erfolgte der Anstoß und wumms, genau dieser Evan Weir latschte an der Mittellinie seinen Gegenspieler direkt um. Das gefielt dem Schiedsrichter so gut, dass er ihm die Rote Karte zeigte. Jetzt kam Weirs große Stunde. Im Conor McGregor-Style stolzierte er genüsslich vom Platz und verteile weiterhin Handküsschen, diesmal zur Haupttribüne. Kann man sich nicht ausdenken, aber der Junge schlief heute mit einem breiten Grinsen ein. Das stand mal fest. Es gab 7 Minuten Nachspielzeit. Abpfiff und schnell weg hier. Wir nahmen die nächste Bahn zurück gen City. Die Maschine maulte herum, wann es denn endlich was zu trinken gäbe. Ich sagte ihm, dass er beim nächsten Programmpunkt was bekomme. "Bier?"- "Nein." - "Na toll!" Die Stimmung wurde nicht besser.

Als nächster Programmpunkt stand ein Besuch in der Pearse Lyons-Distillery an. Hier wartete ein Whiskey Tasting auf uns. Die Distillery ist in einer ehemaligen Kirche untergebracht. Haben die sehr interessant und informativ gemacht, keine Frage. Auch bei den 5 Whiskeys die zur Verköstigungen standen sind für Liebhaber bestimmt feine Sachen dabei. Wir merkten aber relativ fix, dieses Gesöff wird nicht unseres, nicht mal mit Cola. Wir tranken die 5 Dinger und zuckten mehr oder weniger mit den Schultern. Einzig der Bonus Gin machte Lust auf mehr, war aber leider ohne Tonic Water. Nach dem das Tasting vorüber war, bat ich den Pförtner uns ein Taxi zu rufen. Sie rufen hier generell keine Taxis. Wir sollen uns auf der Straße eines anhalten, erhielt ich als Antwort. Danke für nichts, du Irish Knob Head! Glücklicherweise ergatterten wir fix ein Cab und ließen uns zum Shelbourne Park Greyhound Stadium fahren. Der Pöbel ist gerne unter sich, also ist das genau die richtige Adresse für uns, um den Abend einzuleiten. Ab zum Hunderennen. Unterwegs schwatzten wir mit dem Taxikutscher und er gab uns den Tipp, den Abend nicht in Temple Bar zu verbringen, sondern in und um die Camden Street. Hier sei es günstiger und die Dubliner gingen dort aus. Das klingt doch gut. An der Hunderennbahn angekommen, erwarteten uns schon Tierschützer, die gegen die Hunderennen protestierten. Mein Einwand, dass sie sich nicht so anstellen sollen, denn es würde ja immerhin niemand auf den Hunden reiten, blieb leider ungehört. Sehr ignorante Leute, diese Hundefreunde. Wir passierten den Eingangsbereich und steuerten direkt die Bar an. Endlich ein Pint, endlich ein Guinness. Wir machten uns mit dem Ort des Geschehens vertraut und schauten im Racebook nach, wann die Veranstaltung beginnen würde. Es war noch genügend Zeit bis zu den ersten Rennen. Folglich nahmen wir unser Dinner ein, Fish & Chips. Ein besseres Mahl konnte es in dieser Umgebung nicht geben. Fritiertes Sodbrennen aus einer Pappschachtel. Ehrlich gesagt, es war ziemlich lecker. Das Publikum war sehr einfach gestrickt. Die Upperclass mag sich in Ascot oder Chletenham blicken lassen, hier tummelte sich die Working Class. Zu den Rennen waren einige hundert Zuschauer gekommen. Teils in Abendgardrobe, zum Teil aber auch leger angezogen. Manche aber auch einfach im Jogger. Wir machten uns mit den Hunden der ersten Rennen bekannt. Intern sagten wir die Sieger voraus. Hier zeigte der Teutone ein gutes Händchen. 4 von 9 Siegern hatte er richtig. Als er 5 Euro auf seinen Kläffer setzte, haute er in den Sack und verlor. Mein Favorit lief im Rennen 6. Laut Buchmachern war er nicht der Topfavorit auf den Sieg. Aber auch Außenseiter sind nicht chancenlos. Jedenfalls hatte er die größte Fangemeinde. Sein Name: Pablo Escobark! Voller Zuversicht setzte ich 6 Euro auf Sieg! Das Rennen startete und er setzte sich erstmal an das Ende des Feldes und beobachtete das Renngeschehen. Ich hatte das Gefühl, er kontrolliert so das Feld und wird im richtigen Moment den Turbo zünden. Das war tatsächlich seine Taktik. Von der Tribüne wurde er lautstark mit "Vamos Pablo!" unterstützt. Gerade als er den Turbo zünden wollte, war das Rennen auch schon vorbei. Die Töle wurde abgeschlagener Letzter! Würde mich nicht wundern, wenn er an diesem Abend noch zu einem chinesischen Restaurant gebracht wurde. Meinen Kummer spülte ich mit einem weiteren Guinness hinunter. Während der anderen weiteren Rennen widmeten wir uns vermehrt der Beobachtung der anderen Besucher. Fazit des Besuches, eine unterhaltsame Veranstaltung. Eine weitere Erkenntnis war, dass die Größe des Kleides einer Frau nicht unbedingt etwas mit der tatsächlichen Größe zu tun haben muss. Frei nach dem Motto: Wenn mir Kleidergröße 42 passt, dann kann ich auf jeden Fall auch die 36 tragen. Wer abends schon mal in Manchester, Newcastle oder Leeds unterwegs war, der kennt dieses Phänomen. Nach Rennen 9 machten wir uns auf den Weg und suchten uns ein Taxi. Für uns war Pubtime angesagt.



Mit dem Cab fuhren wir in Richtung Camden Street Upper, verließen aber das Gefährt an der Wexford Street. Wir gingen die Straße hoch und runter. Hier war eine Menge los. Allerdings hatten wir keinerlei Lust uns in eine der langen Warteschlangen zu den Clubs und Bars einzureihen. Deshalb steuerten wir den Pub "The Landmark" an. Vorbei am Türsteher und erstmal an die Bar. Über die Lautsprecher spielten sie Musik, die sich verdächtig nach Live-Musik anhörte. Allerdings war keine Band zu sehen. Komisch. Während die beiden anderen sich angeregt unterhielten, schaute ich auf einem der Monitore UFC aus London. Bier trinken und zu sehen wie andere sich gewaltig den Frack schrubben. Gibt schlimmere Abende. Erst nach mehreren Toilettengängen bemerkten wir, dass es im ersten Stock, gegenüber der Toilette, einen weiteren Gastraum gab. Hier spielte ein Duo live seine Lieder. Wir drei Trottel gesellten uns nun in den neuentdeckten Raum. Es dauerte nicht lange und wir hatten einen Tisch und erfreuten uns an der Musik. Der Sänger und Gitarrist sowie seine Violinistin waren recht gut und so genossen wir den Abend. Die Jungs labten sich am Guinness und ich trank mich durch die angebotenen Ales und fütterte die Beer-App. Irgendwann kam ein Schwung Holländer in die Szenerie und feierte die Musik ebenfalls. Wir hatten eine Menge Spaß, aber irgendwann endet jeder Abend mal. So auch hier. Die zwei Musiker beendeten ihr Konzert und wir brachen auf und wollten Richtung Hotel. Wir liefen mit Google Maps in Richtung Norden. Sollten wir ein Taxi erspähen, es sollte unseres sein. Nach gut 15 Minuten Marsch waren wir im Stadtzentrum. Aus einer Seitenstraße drang laute Musik in meine Ohren. Der Radar ging an und ich überzeugte die Herrschaften nochmal kurz einzukehren. Auf ein Bier. Nur eines. Somit landeten wir im "l'Gueuleton", einem französischen Restaurant. Die Mitarbeiter räumten sämtliche Tische und Stühle hinaus und so entstand eine Art Tanzfläche. Zumindest war der freie Platz eine für mich. Die Dancebeats holten mich komplett ab und somit schwung ich das Tanzbein so gut wie es in dem Zustand noch ging. Die Maschine klagte zum Glück nicht über seine Verletzung und zog voll mit. Der Teutone glänzte am Abend zuvor mit diversen Tanzmoves, heute war wohl eher mein Abend. Zumindest erheiterte ich meine Begleiter. Nach dem ein oder anderen weiteren Pint, machten wir uns mitten in der Nacht dann doch weiter Richtung Unterkunft. Wie es oft im bewusstseinserweiternden Zustand ist, gelüstete es uns nach einem Nachtsnack. Normalerweise presst man sich irgendeinen Schlangenfraß rein. Nicht so wir. Wir steuerten einen mexikanischen Imbiss an und holten uns einen Burrito. Ehrlich gesagt, der war verdammt gut. Gefühlt wog der ein Kilogramm, aber er war richtig gut. Gesättigt und zufrieden schlichen wir ins Hotel, Nachtgewand angezogen und ab ins Bett. Gute Nacht.




Am nächsten Morgen hielt sich der Kater erneut in Grenzen. Schnell duschen, packen und raus aus dem Hotel. Heute war für die Iren ein sehr großer Tag. Es fand das All Ireland Finale im Gaelic Football im Croke Park, dem viertgrößten Stadion Europas, statt. Wir steuerten einen Pub in der Nähe des Hotels an. Dieser war schon jetzt sehr gut besucht. Hier war so einiges los. Mit dem Fahrstuhl wollten wir auf die Dachterrasse im zweiten Stock. Allerdings fuhr das wenig vertrauenswürdige Ding nur, wenn jemand von außen die Tür zuhielt. Oben angekommen bemerkten wir, es gab nur Irish Breakfast oder irgend einen vegetarischen Quatsch. Das wollten wir heute allerdings nicht und somit verließen wir den Pub und gingen erneut in das Café vom Vortag. Ich nahm ein Sandwich mit irgendeinem Zeug drauf sowie einen Tee. Um mir nicht wieder das Maul zu verbrennen, ertränkte ich den Tee in kalter Milch. Schmeckte zwar wie eingeschlafene Füße, aber es war nicht schmerzhaft. Wir zahlten und hätten gerne die Atmosphäre des Finales aufgesogen, aber wir hatten die Sorge, am Flughafen könnten wieder chaotische Zustände herrschen und es sei besser frühzeitig dort zu sein. Wir drängten uns durch die Fanmassen von Galway und Kerry und warteten am Bus Stopp auf den Airport Shuttle. Als dieser kam wollten wir schon einsteigen, allerdings hatte der Buslenker etwas dagegen. Mist, falsche Company. Wir machten uns auf die Suche nach unserer Haltestelle. Nach langer Odyssee und Frust fanden wir sie endlich. Leider fand mich irgendein Vogel und schiss mir erstmal schön auf die Umhängetasche. Glück im Unglück, hätte auch das Hemd sein können. Auf dem Weg zum Flughafen bemerkten wir, dass der Teutone von Terminal 1 abfliegen würde, während wir zu Terminal 2 mussten. Kurzer Abschied im Bus und nix wie raus. Im Bus bemerkten wir die holländischen Saufnasen von gestern Abend. Dublin ist kleiner als gedacht. Am Flughafen trauten wir unseren Augen nicht. Weder beim Check-In noch bei der Sicherheitskontrolle war eine Warteschlange. Nichts. Glückwunsch, denn jetzt hängen wir 3 Stunden am Gate herum. Weil wir nichts besseres zu tun hatten, suchten wir die nächst beste Lokalität mit Fernseher auf. Ich hatte die naive Vorstellung, es könne das das Gaelic Football Spiel gezeigt werden. Nee, stattdessen lief ein katholischer Gottesdienst. Prima. Wir holten uns ein Guinness und warteten. Nach dem Pint holten wir uns....noch ein weiteres Pint. Was willste machen?? Kurz vor Anpfiff kam eine Servicekraft und schaltete um und ermöglichte uns die erste Halbzeit des Spiels zu sehen. Vor dem Fernseher tummelten sich eine Menge Iren und erfreuten sich am Finale. Die Maschine und ich verfolgten das Treiben auf dem Spielfeld und verstanden nichts. Gar nichts! Der Ball wird getragen, geschossen, mit der Faust nach vorne geboxt und es gibt Torhüter, aber auch ein Footballgestänge. Keine Ahnung wie das Spiel wirklich geht. Nach dem zweiten Pint hieß es Abschied nehmen. Wir gingen zum Borden und sagten Good bye Dublin. Im Flugzeug scheuchte die Maschine eine reife Dame auf um an seinen Fensterplatz zu gelangen. Ich verstaute das Handgepäck und kurz bevor ich ebenfalls meinen Sitzplatz einnehmen wollte, hockte sich die Eule wieder hin. Da ich den Mittelplatz hatte, teilte ich ihr freundlich mit, sie müsste noch mal kurz aufstehen. Sie fuhr mich an, warum ich nicht schneller gemacht habe, denn jetzt müsse sie nochmal aufstehen. Mit großen Augen sah ich sie an und antwortete nur "Wow wow wow!" Wir warteten bis alle Passagiere ihren Platz eingenommen hatten und dann startete die Aer Lingus-Flugbegleiterin mit ihren Sicherheitshinweisen. Aus der zweiten Reihe hatten wir einen guten Blick auf diese. Just in diesem Moment nahm die alte Schabracke ihr Handy in die Hand und telefonierte mit ihrer Tochter. Die Maschine und ich sahen uns nur an. Sie bekam direkt einen Rüffel und sollte ihr Telefon ausmachen. Das interessierte diese wiederum gar nicht. Keine Minute später wurde sie erneut ermahnt, wieder ohne Wirkung. Jetzt wurde es der Stewardess zu bunt. Sie unterbrach die Ansprache und drohte dem Kapitän Bescheid zu sagen und sie des Flugzeuges zu verweisen, wenn sie nicht umgehend ihr Telefon ausmachen würde. Ich bot an, der Alten eine zu batschen. Das Angebot wurde wortlos ignoriert. Die Olle sah mich an, ich sie. Gehen wir mal davon aus, dass wir keine Weihnachtsgeschenke austauschen werden. Der Rückflug war sonst ereignislos, zumindest in der Zeit, in der ich nicht geschlafen habe. Am Zielflughafen angekommen durften wir auf dem Rollfeld den Flieger verlassen. Uns erwarteten 33° statt den angenehmen 22° in Irlands Hauptstadt. Die Einreise funktionierte problemlos und wir machten uns auf den Weg nach Hause. 




Ein angenehmes und kurzweiliges Wochenende ging zu Ende. Billig war es nicht, aber Lebensqualität kostet nun mal. Das Finale im Gaelic Football endete im übrigen Kerry 0-20 Galway 0-16. Keine Ahnung was das bedeutet oder wie das Ergebnis ausgesprochen wird. Jedenfalls hat der Favorit und Rekordsieger Kerry gewonnen.











Wo geht es wohl als nächstes hin?