Dienstag, 3. Dezember 2019

MILLWALL FC vs Charlton Athletics 2 - 1 

The DEN , Zuschauer: 17.109 (ausverkauft) , Auswärtsfahrer: 2.211 ( 09. Nov. 2019)

Samstagmorgen 4:40 Uhr .....und der Wecker klingelt. Es steht der erste Trip in dieser Saison zum FC Millwall an. Ungewöhnlich spät in einer Saison, aber manchmal passt es nicht anders. Eigentlich sollte ich schon am Freitagnachmittag nach London fliegen. Geplant war sich mit Mr. Belvedere in einem der Pubs um den Borough Market zu treffen. Ein paar Pints zu sich zu nehmen und einen geselligen Abend zu verbringen. So machen wir es schon seit Jahren. Leider hatte die Gewerkschaft UFO was dagegen und rief kurzerhand einen Streik bei Lufthansa für Donnerstag und Freitag aus. Alle Flüge wurden abgesagt, na danke auch! Immerhin bot man mir eine Umbuchung auf den frühen Samstagmorgen an. Besser als nichts dachte ich mir und nahm das Angebot an. Wohlwissend, dass es ein langer Tag werden würde. Der Rückflug war für Sonntagmorgen um 6:30 gebucht. Gegen 5:20 Uhr wurde die Bahn Richtung Flughafen bestiegen und sich frohen Mutes zum Flughafen begeben. Auf Grund von Bauarbeiten konnte der Regionalbahnhof nicht angefahren werden und so strandete ich am Fernbahnhof. Das hieß, erstmal einen 15 minütigen Fußmarsch zum

Terminal 1 in Kauf zu nehmen. Kein Problem, denn als regelmäßiger Fahrgast der Frankfurter Verkehrsgesellschaft kennt man deren Unzuverlässigkeit und plant sich ausreichend Puffer ein. Da am Vorabend schon der Check-in geleistet und die Sicherheitskontrolle überraschend zügig passiert wurden, konnte ich am Gate mich noch etwas ausruhen und die Beine hochlegen. Das Borden ging ebenfalls problemlos. Der Flieger war ausgebucht und die Vorfreude auf das kommende Full English Breakfast wurde immer größer. Los geht es........Denkste! Die Durchsage der Pilotin bedeutete nichts Gutes. Nebel in London und wir müssen warten. Wird nicht lange dauern dachte ich so bei mir. Die Müdigkeit meldete sich und brachte den Hunger gleich mit. Nach knapp 2 Stunden Wartezeit am Rollfeld gab London klare Sicht an und los ging es. Etwas genervt hoben wir ab. Da das nahrhafte Frühstück noch in weiter Ferne war, wurde bei der Versorgungsrunde bei der Saftschubse erstmal ein Bier bestellt. Meine mir unbekannte Sitznachbarin quitierte dies mit einem leichten Kopfschütteln. Uhh...ein Warsteiner, na prima! Der Start in den Tag gestaltete sich schon mal zäh.

Ohne Komplikationen erreichten wir Heathrow, schnell die Passkontrolle hinter sich gebracht und ab nach South London. Treffpunkt war diesmal nicht wie so oft der "Market Porter" Pub an der London Bridge, sondern ein Wetherspoons Pub namens "Pommelers Rest" an der Tower Bridge. Nach 50 Minuten U-Bahnfahrt und gut 15 Minuten Fußweg kam ich endlich an. Nochmal fix zur Tower Bridge um ein Foto zu schießen. Im Pub angekommen freute ich mich erstmal auf das frisch gezapfte Doombar Ale. Mjam! Mr. Belvedere kündigte sich erst für 12:15 Uhr an. Nach dem ersten Ale orderte ich ein weiteres und freute mich schon auf das Breakfast. Ich suchte mir einen Platz, nahm die Speisekarte und eruierte wie mein Frühstück ausfallen sollte . Nach dem die Entscheidung gefallen war stellte ich fest, Frühstück wird nur bis 12:00 serviert . Ein Blick auf die Uhr verriet mir, wir hatten 12:05 Uhr....hier gibt es heute kein Frühstück für den Autor! Der Tag nahm Fahrt auf, aber nicht wie gewünscht. Mr. Belvedere kam pünktlich und wenig später ein weiteres bekanntes Gesicht, Mr PK gab sich die Ehre. Mit den Herren entwickelte sich ein angeregtes Gespräch. Mr. Belvedere lies verlauten, dass sich ein weiterer Deutscher zu uns gesellen würde. Er komme, wie der Brauer und der Manager, ebenfalls aus Cottbus. Der junge Mann gliederte sich nahtlos in die Gesprächsrunde ein. Nach einigen weiteren Runden Bier brachen wir auf und nahmen den Zug richtig South Bermondsey. Der Zug war gerammelt voll und dennoch fand sich ein Plätzchen um die eine Station Fahrtstrecke gemütlich anzugehen.


An der Bahnstation angekommen erwartet Old Bill schon die Fans der Lions. Um zu zeigen man sein auf alles vorbereitet, durften auch einige Pferde Dienst schieben. Warum zu so einem harmonischen Derby Reiterstaffeln angekarrt werden müssen, wissen wohl auch nur die Cops?! Charlton ist nicht für irgendeine Action rund um das Stadion bekannt. Egal. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichten wir das Stadion, noch schnell ein Programmheft kaufen und hinein. Die englische Fraktion suchte noch fix die Sanitäranlagen auf und verzog sich dann auf die angestammten Plätze. Wir zwei Deutschen schauten auf die Uhr, noch 7 Minuten bis Kick Off, also noch Zeit für zwei weitere Pints. Da es dem Engländer an sich nicht vergönnt ist im Stadioninneren zu trinken mussten die Halben im Express hinunter gestürzt werden. Gesagt, getan....und ab ins Stadioninnere auf den Oberrang. Das Spiel war ausverkauft und somit erschien kein Plätzchen bei den Kollegen mehr frei zu sein. Dann stehen wir halt auf den Stufen des Treppenaufgangs. So macht Fußball schauen ohnehin mehr Freude. Mit dem Cottbuser entwickelte sich ein angenehmer Plausch über Fußball, Fahrten zu Millwall und was man halt sonst noch so bequatschen kann. Zum Sportlichen bleibt zu sagen, Millwall startete gut ins Spiel und erzielte in Minute 6 das 1:0. Mit der Führung im Rücken ging es in die Halbzeit. Der Bierkonsum zollte seinen Tribut. In Halbzeit 2 glichen die Trainspotter, wie sie zu Recht abfällig von Millwall genannt werden, recht fix wieder aus. Das Spiel lief so vor sich hin. Viel Beachtung schenkten wir dem Gekicke nicht, sondern viel mehr dem Treiben auf den Tribünen. Die Stimmung war prächtig und zwischendurch auch sehr laut. Vor allem der berühmte Lions- Roar "Miiiiilllll" und auch das berühmt berüchtigte "No one likes us, we don't care" schallten den Gästen immer wieder entgegen. Mit einer der letzten Aktionen schaffte Millwall doch tatsächlich den 2:1 Siegtreffer. Das Stadion explodierte förmlich. Anstoß und Abpfiff! So wollen wir das, so lieben wir das!! "Rocking all over the world" hallte durch The Den. Nach dem wir unsere Lieblingsengländer wieder gefunden hatten machten wir uns geschlossen auf den Weg zur U-Bahnstation an Surrey Quay. Die Laune war prächtig, da Charlton es auch im 23. Jahr hintereinander nicht geschafft hat Millwall zu besiegen. Der Weg zur Underground führte uns auch an einigen Drehorten des Films "Football Factory" vorbei. In der Dunkelheit wirkt diese Gegend noch einschüchternder als tagsüber. An der Bahn angekommen nahmen wir den Zug zurück nach London Bridge um dort den Tag ausklingen zu lassen.


Kurzer Besuch am Bankomat und noch paar Pfund geholt. Danach ging es in den Pub "The Sheaf". Dieser ist am Borough Market ansässig. Diese Gegend erlangte 2017 traurige Bekanntheit als 3 islamistische Attentäter 8 Menschen mit Macheten töteten. Ein gewisser Roy Larner stellte sich ihnen entgegen und vertrieb sie mit den Worten "Fuck you, I'm Millwall!" aus dem Pub, obwohl er dabei schwer verletzt wurde. Im "Sheaf" wurde erstmal ein weiteres Ale geordert und sich zu den anderen gesellt. Big John, warum auch immer Arsenal- Fan, war ebenfalls anwesend. Es entwickelte sich ein unterhaltsamer Abend. Der Cottbuser zeigte sich stabil am Glas und der Abend nahm seinen Lauf. Irgendwann bemerkte ich das das Frühstück als auch das Mittagessen ausgefallen sind. Zum Snack im Stadion kam es irgendwie auch nicht. Deshalb verließ ich den im Keller ansässigen Pub und machte mich ins schräg gegenüberliegende "Rosis Café", zum Paki des zweifelhaften Vertrauens. Wie so oft wurde ein Quarter Pounder mit Chips bestellt. Alles natürlich halal, was gerade hier ein wohl sehr weitläufiger Begriff ist. Welch Fleisch es auch immer gewesen sein mag, es sättigte im betrunkenen Kopf. Als ich nach diesem Abendmahl wieder im "Sheaf" ankam, bemerkte ich, der Cottbuser hatte einen polnischen Abgang hingelegt. Liegt wohl im Blut der vermeintlichen Sorben. Ein Wiedersehen ist dennoch erwünscht, eventuell mal mit den anderen beiden Strauchdieben aus der Lausitz. Überraschenderweise gesellten sich zu späterer Stunde noch der Luxemburger Loon und Clunny mit dazu. Dies war nicht zu erwarten, denn es muss schon einiges passieren damit diese Herrschaften mal den Pub "Old Kings Head", der ebenfalls am Borough Market ist, verlassen. Nachdem man sich gegenseitig darauf hingewiesen hatte, wie dick die jeweils anderen Bäuche doch geworden sind, wurde noch ein Abschieds-Ale genommen, könnten auch zwei gewesen sein. Kurz vor Mitternacht verabschiedete sich der Autor und fuhr mit der Underground gut 50 Minuten gen Heathrow. Hoffentlich hält die Blase bis dahin.

Gott sei Dank, die Blase blieb stabil. Fix im besoffenen Kopf den Check-in am Automaten erledigt und ab ins Costa Café um sich eventuell kurz abzulegen und um das Handy wieder aufzuladen. Denkste, der Bereich um das Handy aufzuladen und bequem zu sitzen war gesperrt. So durfte ich mich mit zwei Holzstühlen begnügen. Läuft ja wieder großartig. Nun galt es die Zeit von 1:00 bis 4:30 herumzubekommen, um dann durch die Sicherheitskontrolle zu gehen. Die Müdigkeit übermannte mich und dazu gesellte sich ein tierischer Brand. Immerhin hatte ich noch eine Cola einstecken. Aber an ein Nickerchen war nicht zu denken, denn in der Abflughalle dudelte in Discolautstärke Weihnachtsmusik. Merry Christmas & Jingle Bells... Anfang November! Kannste dir nicht ausdenken. Dieser Terz hielt gut 3 Stunden an. Genervt, müde, hungrig und immer noch ordentlich einen im Kahn passierte ich den Security-Check und wartete auf mein Abfluggate. Als dies endlich bekannt gegeben wurde wollte ich nur noch eines, endlich nach Hause ins Bett. Alles war bereit zum borden und ab in die Maschine. Ich nahm Platz, legte den Kopf an das Fenster und döste vor mich hin. Der Pilot meldete sich nach einer Weile zu Wort. Statt den üblichen Unsinn zu erzählen, teilte er uns Passagieren mit, dass nun in Frankfurt Nebel sei und wir erstmal keine Starterlaubnis hätten. Ja ist denn heute scho' Weihnachten?? Ich wollte nur nach Hause und zwar jetzt, sofort! Etwa eine Stunde standen wir auf dem Rollfeld herum, dann hob der Flieger endlich ab. Noch müder kamen wir in Frankfurt an. Ab nach Hause dachte ich mir und latschte ziemlich fertig wieder zum Fernbahnhof des Flughafens. Nach einiger Wartezeit kam zur Müdigkeit und Durst auch noch ein fieses Kälteempfinden hinzu. Die S-Bahn kam, ich setzte mich und dachte nur noch an zu Hause und die Couch. Die Fahrt verlief zügig.....bis zum Hauptbahnhof. Hier endete die Fahrt auf Grund eines Polizeieinsatzes. Hallo? Sonntagmorgens um 9:30 Uhr? Haben die Leute kein zu Hause?? Nach zweimaligem umsteigen und gut eine halbe Stunde später erreichte ich endlich mein zu Hause.


Ein 30h-Round Trip nahm sein Ende. War es all das wert? Auf jeden Fall!!! Ein Sieg in der 90. Minute entschädigt für vieles. Da freue ich mich schon auf die kommenden Fahrten mit all ihren wartenden Schwierigkeiten. Diesen Bericht will ich mit den Worten von Millwall-Fan Roy Larner beenden:


Fuck off, I'm Millwall!!