Sonntag, 26. Dezember 2021

Zurück im Vereinigten Königreich.......aber so richtig?!


Peterborough United - MILLWALL FC 2:1 (0:1)

Weston Homes Stadium, Zuschauer 9.140,  Auswärtsfahrer: 2.302 (11. Dez. 2021)



Nachdem der letzte Bericht schon unter der Überschrift "Nach Corona" lief, wurde der Spielplan der Championship gecheckt und ich überlegte mir, welche Spiele meines Millwall FC interessant für eine Auswärtsfahrt sein könnten. In die engere Auswahl fiel Peterborough und Blackpool. Peterborough allein schon wegen des Stadions und Blackpool liegt an der Küste der Irischen See. Klingt nach einem Wochenende à là Bournemouth wie vor einigen Jahren. Die üblichen Verdächtigen, wie der Anwalt, der Manager und der Braumeister, waren erstmal nicht abgeneigt. Konnten sich letztendlich aber nicht dafür entscheiden. Eventuell hatten sie bessere Informationen als ich...oder sind einfach nicht so naiv. Mit der englischen Brut war ich mir dagegen recht schnell einig, wir fahren nach Peterborough. Es ist mit dem Zug nur 40 Minuten von London entfernt. Schnelles Ding könnte man meinen. Fix hatten wir 4 Mann zusammen. Nun lag es an mir die aktuellen Coronaregeln für diese Reise auszuloten und dann wird gebucht. Klingt nicht schwer, schon dutzendfach gemacht.

Für den Engländer scheint die Pandemie im Alltag kaum noch eine große Rolle zu spielen. Freedom Day war schon, Masken werden selten getragen und als Eroberer- und Seefahrervolk braucht man sowieso keine Angst haben. Skorbut hatte ihnen in der Vergangenheit auch nichts anhaben können. Der Flug war schnell gebucht, und überraschend günstig. Wie so oft war der Plan freitags nach Feierabend zu fliegen, dann einen Pubabend an London Bridge zu erleben und bei Mr. Belvedere zu nächtigen. Samstags zum Spiel, eventuell mal einen Pub aufsuchen und die Nacht zum Sonntag am Flughafen  verbringen. Rückflug Sonntagmorgen um 6:30 Uhr. Dann bin ich um 10:30 Uhr auf der heimischen Couch. In den Einreisebedingungen wurde erklärt, man müsse einen Antigen-Schnelltest in England buchen und diesen innerhalb der ersten 48 Stunden durchführen. Kein Problem, also wurde dieser gebucht, 23 Pfund dafür bezahlt und zu Mr. Belvedere geschickt. Zur Einreise wurde noch ein Einreiseformular gefordert. Dieses kann frühstens 48 Stunden vor Einreise online ausgefüllt werden. Alles klar. Sollte ich doch hinbekommen. Gleiches gilt für die Rückreise nach Deutschland. Ein Einreiseformular ausfüllen und dann ist der Drops gelutscht. Mit dieser Sicherheit vergingen dann die kommenden drei Wochen. Die Vorfreude stieg und es gab keinen Anlass unruhig zu werden. 

Eine Woche vor Abflug überschlugen sich die Ereignisse. Irgendwer in Südafrika war wohl übermotiviert und versetzte alle in einen Panikmodus. "Omicron" verlieh meiner Reise eine Eigendynamik, die ich so nicht erwartet hatte. Die Einreisebestimmungen veränderten sich massiv. Jetzt wollte der Tommy, dass man vor Ort einen PCR-Test machen muss. Der Test muss ebenfalls innerhalb der ersten 48 Stunden durchgeführt werden. Nach dem Test muss man bis zum Erhalt des Ergebnisses in Quarantäne. Super. Somit ist der komplette Zeitplan pulverisiert. Geplant war die Landung für 16:50 Uhr. Egal wie ich es drehe, Quarantäne und Spiel schauen wird so nicht funktionieren. Es brauchte nun eine schnelle Entscheidung. Wie wäre es, wenn ich Donnerstagabend mit der letzten Maschine fliege und direkt an Heathrow den PCR-Test mache? Das Ergebnis soll am darauffolgenden Tag bis 22:00 Uhr eintreffen. Das würde ja funktionieren. Folglich buchte ich einen weiteren Hinflug. Den anderen Flug stornierte ich nicht, da ich den Rückflug haben wollte. Ansonsten hätte ich auch einen neuen Rückflug gebraucht. Das wäre noch teurer geworden. Nach dem der weitere Flug nach London dingfest gemacht war, wollte ich schnell den PCR-Test am Flughafen buchen. Denkste! Das Testzentrum schließt um 20:00 Uhr. Ich lande allerdings erst um 22:15 Uhr. Als Sparfuchs buche ich in der Regel ohne Stornierungsoption. Fuck...jetzt hab ich mir ein Eigentor geschossen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als für den Freitag sehr früh einen Testtermin in der City of London zu suchen. Für 9:00 buchte ich mir einen. Das bedeutet, früh aufstehen und durch die Rush Hour zum Testzentrum. Der Test kostete geschmeidige 69,- Pfund. Hervorragend, schon mal knapp 100,- Pfund für Tests rausgeschmissen. Aber was macht man nicht alles für seine Leidenschaft. Alles. Genervt trat ich das Wochenende und eine Hochzeit an. Was sollte jetzt noch groß passieren? Montags dachte sich der Prime Minister UKs, Boris Johnson, es wäre doch lustig noch mehr Drive für die Einreisenden an den Start zu bringen. Ab Dienstagmorgen 4:00 Uhr muss man einen negativen PCR-Test schon für die Einreise vorlegen. Kurz vor dem Schlaganfall buchte ich einen PCR-Test hier in Deutschland. Das Ergebnis würde aber 24 bis 96 Stunden auf sich warten lassen. Ich bekam einen Termin für Dienstag um 12:30 Uhr. Dies könnte wieder knapp werden. Da ich nicht ganz auf den Kopf gefallen bin, ließ ich meine Kontakte zu einem ortsansässigen Hospital spielen. Ich ließ einen Test im Krankenhaus über die Tagesklinik machen. Da bekommt man Ergebnis innerhalb von 2 Stunden und die Krankenkasse zahlt es. Gesagt, getan. Mittwochs ging ich morgens zum Test und nach knapp drei Stunden erhielt ich das negative Ergebnis. Schnell abstempeln und unterschreiben lassen. Jetzt fehlt nur noch das Einreiseformular und ab geht er, der Peter! Mittwochabend checkte ich noch mal die Einreisebedingungen und traute meinen Augen nicht. Der Test für den Flug muss in Englisch, Französisch oder Spanisch sein. Fuck...meiner ist "nur" in Deutsch. Der wird von den EU-Verweigerern nicht akzeptiert. Ich las mich weiter in die Bedingungen ein. Laut Lufthansa würde auch ein Antigen-Schnelltest oder Lamptest akzeptiert werden, so lange er in den drei genannten Sprachen wäre. Also, ein Test buchen für den Donnerstagmorgen, vor Arbeitsbeginn. Nun machte ich mich an das Einreiseformular. Als gewissenhafter Bürger gab ich alles wahrheitsgemäß an. Da ich nicht sicher war, ob ich rechtzeitig am Donnerstagabend an London Bridge ankommen werde um zu Mr. Belvedere zu fahren, gab ich noch die Adresse von Mr. Elephant & Castle an. Sicher ist sicher. Die Briten wollten wissen wo man nächtigt bzw. die Quarantäne verbringt. Zu guter Letzt sollte ich noch die Buchungsnummer des PCR-Tests angeben. Ging nicht. Egal was ich machte, das fucking Programm nahm den Code nicht an. Keine Chance. Ich drehte fast durch. Weg lassen ging auch nicht. Angeben, man müsse nicht getestet werden akzeptierte das Programm ebenfalls nicht. Ich bekam die Idee ins Ohr gehaucht, doch einfach die Nummer des Antigentests einzugeben. Etwas unsanft erwiderte ich, dass dies nicht geht da man einen PCR-Test angeben muss. An dieser Stelle ging es einfach nicht weiter. Als ich gut eine Stunde vor diesem unlösbaren Problem stand, ließ ich mich auf den Vorschlag ein. War halt völliger Quatsch, denn das ist der falsche Test. Den darf ich nicht mehr nutzen. Ich gab den Code ein.....das Programm akzeptierte ihn. Ich war erneut kurz vor dem Schlaganfall. Gut, Einreiseformular war erledigt. Umgehend bekam ich den QR-Code und die Bestätigungsmail. Jetzt ab ins Bett, denn in vier Stunden klingelt der Wecker und ich muss arbeiten, sowie dann nach England fliegen. Ohh...noch schnell packen. Schlaf ist überbewertet.



Donnerstagmorgen schnell zum Anitigentest. Zack, in den Zinken rein und negativ. Ab zur Schaffe! Endlich 19:00 Feierabend und ab zum Flughafen. Den Online-Check in hatte ich glücklicherweise schon nachts nach dem Packen erledigt. Bei der Passkontrolle gab es den obligatorischen Spruch, "Na Herr XY. Mal wieder unterwegs?" Man kennt sich, man liebt sich...nicht. Als ich am Gate ankam ging ich direkt zu einem extra aufgebauten Schalter. Hier wurde der Reisepass, der jetzt zwingen notwendig ist, kontrolliert sowie mein Einreiseformular eingescannt. Gut, der britische Kollege hatte nichts zu beanstanden. Erstmal ein Bier. Am Verkaufsstand am Gate gab es tatsächlich nur Binding. Jetzt sollte ich wohl mit dieser Katzenpisse vergiftet werden. Wohlwissend, dass im Flieger wohl nur Warsteiner serviert werden würde, schlich ich Richtung Kiosk und holte mir zwei Dosen Becks. Zufrieden setzte ich mich auf eine Bank und wartete auf das Boarden. Im Flugzeug setzte ich mich auf meinen Platz. Sage und Schreibe etwa 22 Passagiere waren wir im gesamten Lufttaxi. Lohnt sich ja richtig für die Airline. Kaum Platz genommen wurde ein Wasser gereicht. Dies nahm ich dankend an. Im Hinterkopf hatte ich die Hoffnung, dass es gleich noch Bier geben würde. Tja Kollege, auch diese Zeiten sind bei Hansen vorbei. Stattdessen juckelten die Saftschubsen mit ihrem Wägelchen und dem Klingelbeutel vorbei. Nee, Freunde, für Warsteiner mag ich nicht zahlen. Im Flugzeug schon gar nicht. Der Flug war unaufregend. In London angekommen ging es direkt zur Passkontrolle. Diese erfolgte über die Maschine. Lustig, hier funktioniert der Kram. In FFM kann man das getrost vergessen. Nachdem dies erledigt war ging ich zur Underground, Oyster Card aufladen und ab nach Südlondon. Ich entschloss mich bei Mr. Elephant & Castle zu nächtigen. Das boten er und sein Wifey mir an. Als ich nach gut einer Stunde dort ankam holte er mich an der Underground-Station ab. Wir gingen dann zu ihnen nach Hause. In einen schnuckligen englischen Plattenbau aus den Siebzigern. Klischees der Arbeiterklasse müssen einfach erfüllt werden. Zur Begrüßung gab es erstmal ein "Doom Bar". Ich liebe dieses Ale einfach. Da beide komplett taub sind, aber sprechen können, brauchte ich einige Minuten um mich wieder reinzuhören. Immerhin haben wir uns Dank Corona fast 2 Jahre nicht mehr gesehen. Er sagte mir, er hätte den nächsten Tag frei und würde mit zum Test kommen, da er wisse wo es ist. Wir tranken ein zweites Ale und dann machte ich es mir im Gästezimmer gemütlich. Ich war mittlerweile wirklich müde.

Freitag morgen musste ich früh wieder raus und zum Testzentrum. Dieses war in einem Shoppingcenter bei St. Pauls Cathedral. Wir nahmen den Bus, denn so konnten wir die Rush Hour in der U-Bahn umgehen. Wie schon gestern Abend trug hier nicht jeder eine Gesichtsmaske. Etwa 1/3 waren ohne unterwegs. Für 9:00 Uhr hatte ich den Termin gebucht und somit sollten wir schnell wieder zurück fahren können. Die Rechnung hatte ich aber ohne die Chaoten-Briten gemacht. Als wir ankamen hatte sich schon eine Schlange von gut 60 Personen gebildet. Na prima. Erst einmal hinten anstellen und warten. Mir wurde es dann zu doof und ich ging zu einem der Mitarbeiter und zeigte ihm selbstbewusst meinen gebuchten Termin. Ich hatte die Hoffnung, ich müsse nicht warten. Er freute sich darüber, schickte mich aber zurück in die Reihe, denn hier hätten alle einen Termin. Genervt ging ich wieder in die Schlange. Nach gut 15 Minuten fiel uns auf, dass sich eine zweite Schlange gebildet hatte und alle dort anstehenden Personen hielten einen Zettel in der Hand. Mr. Elephant & Castle hielt mir wieder den Platz in der Schlange frei und ich stolzierte erneut siegessicher zum Mitarbeiter des Vertrauens. Eventuell hatte er mich vorhin nicht korrekt verstanden. Immerhin wollte ich einen Arrival-Test machen und ich habe ja auch einen Zettel. Das beeindruckte ihn überhaupt nicht. Das sei hier die Fast Line. Die Leute hätten es bezahlt....120,- Pfund. Ich trottete wieder zurück in die Reihe. Irgendwann flippte ein Franzose komplett aus. Er habe keine Lust mehr zu warten und will jetzt getestet werden. Dazu rief er irgend etwas von einem gottlosen und verlorenen Land. Es fehlte nicht viel und sein E-Scooter wäre ins Testcenter geflogen. Andere Warteten schalteten sich auch dazu und es entstand ein hitziges Wortgefecht. Junge, Junge...hier war was los. Kurz bevor ich endlich eintreten konnte kam der besagte Mitarbeiter zu uns und entschuldigte sich. Sie seien nur 5 Kollegen und man hätte 800 Termine abzuarbeiten. Nach gut 80 Minuten kam ich dann endlich dran. Die junge Dame schob mir das Stäbchen arg jungfräulich in die Nase. Das war schon ein Unterschied zu den heimischen Gefilden. Da rammt man es einem ja gerne bis ins Großhirn. Aber sie ist die Expertin, nicht ich. Mit dem Ergebnis könne ich bis Samstag 22:00 Uhr rechnen. Das läuft schon jetzt auf einen Quarantänebruch hinaus. Wir trotteten wieder zur Bushaltestelle und fuhren zurück zu Mr. Elephant & Castle. Dort erwartete uns ein von Wifey gezaubertes Full English Breakfast. Mjam....ich liebe es. Jetzt hieß es warten. Die Zeit wollte ich nutzen, um schon mal mein Einreiseformular für Deutschland auszufüllen. Sprachlich war das alles ja kein Problem, bin ja sowas wie ein Muttersprachler. Das der Autor zu doof ist ein Apple-Notebook zu bedienen, das lassen wir aus Zeitmangel mal unter den Tisch fallen. Da könnte man eine eigene Geschichte dazu schreiben. Ich füllte alle notwendigen Felder aus und das Program zeigte mir an, ich könne die Anwendung beenden. Gesagt, getan. Das war es. Leider. Es gab weder eine Bestätigungsmail noch einen QR-Code. Das gibt es doch gar nicht?! Also das ganze noch einmal. Aber egal wie oft ich es machte, es kam keine Bestätigungsmail. Ich hatte lediglich eine gefühlt 13-stellige Nummer. Ich fragte bei diversen Kontakten nach, wie sie es gemacht hatten. Aber der Lösung des Problems kam ich nicht näher. Ich hatte nichts in der Hand. Mist! Nach achtmal gab ich es auf und machte einen Screenshot mit der Nummer. Die werden mich ja wohl wieder nach Hause lassen. Alle anderen kommen doch auch rein. Nun wollte ich besonders schlau sein. Während meine Gastgeber einkaufen waren, schaute ich nach einer Möglichkeit für einen Schnelltest. Ich wollte mich freitesten lassen um abends in den Pub gehen zu können. An London Bridge fand ich eine Möglichkeit. Am späten Nachmittag machte ich mich mit meinem Gastgeber auf den Weg dort hin. Vor Ort musste ich mich online einchecken. Jetzt ging der nächste Wahnsinn los. Ein Mitarbeiter des Testcenters half mir. Das lief auch ganz gut, bis er das Ergebnis von PCR-Tests haben wollte. Ich sagte ihm, dass ich darauf ja warte. Dann dürfe ich aber keinen Schnelltest machen sondern müsse zurück nach Hause. Schlagartig verstand ich ganz wenig Englisch und fügte mich in die Rolle des dummen Ausländers. Klappt bei uns ja auch immer gut. Offensichtlich hatte er Mitleid mit mir. Irgendwann kam die Frage, ob ich einfach oder zweifach geimpft sein. Ich entgegnete ihm, ich sein dreifach geimpft. Er machte große Augen und sagte, es ginge nur einfach oder zweifach. Nein, ich bin dreifach geimpft. Das gab aber sein Programm nicht her. Er würde jetzt einfach zweifach eingeben. Gut, mach das. Dann durfte ich eintreten. In einem Bretterverschlag saß ein weiterer Mitarbeiter. Dieser reichte mir die Testutensilien. Aha, hier testet man sich selbst unter Aufsicht. Schnell das Teststäbchen in Rachen und Nase, drehen wie ein Bekloppter und gut 15 Sekunden warten und fertig. Jetzt fuhren wir erneut zurück in die Wohnung der Gastgeber. Dort musste ich erstmal ein Ale trinken. Vielleicht auch zwei. Mr. Elephant & Castle traf sich etwas später noch mit Mr. Belvedere. Das dauerte aber nur eine Pint-Länge. Mr. Belvedere hatte den Laptop seiner Arbeit mit dabei. Offensichtlich traute er sich selbst nicht und wollte deshalb nicht wirklich länger bleiben. Mir war die Laune etwas verhagelt und so zog ich es vor nicht mitzukommen. Als mein Gastgeber zurück kam gab er mir ein Päckchen. In diesem könnte der von mir gebuchte Schnelltest sein. Ich öffnete das Packerl und siehe da, es war der Test. Die Gastgeberin lachte laut und verließ das Zimmer. Keine 30 Sekunden später kam sie zurück und warf ein großes Paket Schnelltests auf den Tisch. Es war der gleiche Test, nur in großer Verpackung. Den bekomme man umsonst, so viele man will. Ich musste 23,- Pfund bezahlen. So kann man sich seinen NHS auch finanzieren, durch doofe einreisende Ausländer. Danke für nichts. Wir bestellten uns Fish & Chips vom Imbiss des Vertrauens und komplettierten somit alle kulinarischen Klischees. Im Anschluss hauten wir uns vor die Glotze und schaute Brentford - Watford. Richtige Langweilerclubs aus London. Über die lache ich doch, richtige Clowns. Nach dem ein oder anderen weiteren Ale ging ich ins Bett. Morgen wird alles besser. Endlich wieder Millwall away.


Mit einem Grinsen im Gesicht wachte ich auf. Schnell salonfähig werden und sich ins Outfit werfen. Nun wollte ich noch fix den Online-Check In machen. Dann hätte ich den Kopf frei und kann mich auf Fußball konzentrieren. Schnell das Handy gecheckt. Das Ergebnis der PCR war noch nicht da. Soo...der Check-In ging schon mal nicht. "Der Check-In liegt zu nah am Abflugzeitpunkt" zeigte mir die Homepage an. Ich werde echt noch verrückt. Also rief ich die Hotline an. Diese hatte technische Probleme. Meine Fresse, was kann denn noch alles schief gehen? Ich wiederholte es einige Male. Keine
Chance. Na prima. Gut, jetzt kann ich nichts mehr machen und muss es morgen am Flughafen klären. Das würde bedeuten, im Pub nicht alle Runden mittrinken. Das ist für mich ja kein Problem. Um 11:30 Uhr fuhr der Zug an Kings Cross los, somit waren wir gegen 10:00 Uhr im Wetherspoons "The Barrel Vault" mit Mr. Belvedere verabredet. Als wir dort ankamen war dieser schon gut gefüllt und wir sahen etliche gut angezogene Lads, die aus Plastikbechern tranken. Das sieht nach Fußball aus. Herrlich. Die Bouncer stellten sich uns in den Weg als wir in den Pub wollten. Offensichtlich sahen wir auch nach Fußball aus. Wer wir denn seien? Ich sagte, wir wären Millwall. Der Türsteher war sichtlich irritiert. Hier im Pub würde Leeds United gerade trinken. Er überlegte kurz und meinte, naja, die spielen bei Chelsea. Und wenn wir nicht Chelsea wären, dann könne ja nichts passieren. Der junge Mann kennt sich offensichtlich nicht all zu gut aus. Wir gingen hinein und sahen schon Mr. Belvederes glänzendes Haupt unweit der Theke. Wir begrüßten uns und  ich holte erstmal einen Schwung Pints. Ich startete mit Ale. So wie ich es ja meist in UK mache. Dann bestellten wir uns das szenetypische Frühstück. Ich nahm allerdings nur ein kleines Frühstück. Die Grundidee war, im Laufe des Tages noch was anderes zu essen. Essen, ich und UK ist auch ein Kapitel für sich. Wir unterhielten uns angeregt, denn es gab ja viel zu erzählen. Mr. Belvedere war wirklich erstaunt, dass man sich so einen Trip antut. Wir genehmigten uns die ein oder andere Runde. Danach holten wir uns einen Sechserträger Flüssigproviant und nahmen den Zug nach Peterborough. Der Zug war gut mit Millwall-Jungs jeden Alters gefüllt. Der Auswärtsblock war mit 2.302 Südlondonern ausverkauft. Das ließ eine gewisse Vorfreude aufkommen. Nach 40 Minuten Fahrt erreichten wir den Zielort.



Hier in Peterborough wollten wir Mr. Belvederes Cousin Firestarter als auch den Teutonen aus Leicester treffen. Diesen traf ich das Wochenende zuvor schon auf der Hochzeit in der Heimat. Die Jungs kannten ihn vom Spiel bei Stoke City. Am Bahnhof angekommen, empfing uns direkt Old Bill. Wir machten uns fix aus dem Staub und gingen Richtung City. Unterwegs sammelten wir den Teutonen ein. Er kam mit einem Regionalbus und hatte diesmal seinen Filius nicht mit dabei. Nach einem Fußmarsch von knapp 5 Minuten erreichten wir "The Draper's Arm", einen Wetherspons Pub. Außen vor dem Pub hatten sich die Coppers schon mit zweit Wannen aufgereiht. Innen war der Schankraum schon zum brechen voll. Gefüllt mit Millwall-Fans. Jung und Alt zusammen. Seit fast 2 Jahren hatte ich auf diesen Augenblick gewartet. Wir kämpften uns durch die Menge bis zur Theke. Hier erwartete uns schon Firestarter. Kurze aber herzliche Begrüßung und schon war die erste Rutsche Bier auf dem Tresen. Ich hatte die Sorge, dass die Schlagzahl zu hoch wäre und es zu viel Lager und zu wenig Ale geben wird. Ale trinke ich dann doch langsamer als das süffige Lager. Unser Platz lag zwar strategisch gut für den Gerstensaft, allerdings auch in der Einflugschneise der durstigen Kehlen aus London. Meine Begleiter waren schnell genervt und suchten schon nach einer Alternative. Dem Teutonen und mir war es egal. Kurze Zeit später fanden wir einen etwas gemütlicheren Standort unweit der Zapfhähne. Der Ortswechsel hatte sich somit erledigt. Der Pöbel aus Südlondon stimmte immer wieder die bekannten Lieder an. Die Stimmung steigerte sich immer weiter. Wir führten gute Gespräche und hatte einen einwandfreien Mittag. Da es sehr warm im Pub war, öffnete jemand eine verschlossene Seitentür zu einem Lieferanteneingang. Gut um mal Sauerstoff zu schnappen, schlecht da die Kombination aus Lager und O² eine schwierige ist. Wir verweilten gut 2 1/4 Stunden hier. Dann machten wir uns auf den Weg zum Stadion. Dieses war glücklicherweise in Fußweite, etwa 15 Minuten mussten wir hinlaufen. Ein richtiger englischer Oldschool-Ground wartete auf uns. Die Tribünen unterschiedlich alt und hoch. Keine sterile Arena der Neuzeit. So will man das haben. Da der Weg zum Stadion, als auch der Weg zu den Nasszellen erstaunlich fix ging, war noch genügend Zeit für ein weiteres Pint. Leckeres Carling aus einer Plastikflasche. Man kann auch jede Bierkultur zerstören. Nach dem Bierchen sind wir auf unsere Plätze gegangen. Im unteren Bereich der Tribüne machten wir uns breit. Die komplette Hintertortribüne war von Millwall in Beschlag genommen. Ein sehr guter Turn Out der Lions. Millwall erwischte einen guten Start und nahm das Heft in die Hand. Folgerichtig ging man auch 1:0 in Führung. So soll es sein, dachte ich mir. Bis zur Halbzeit entwickelte sich ein munteres Spielchen, der Spielstand war verdient. In der Halbzeit verließen wir die Tribüne wieder und zogen uns in die Katakomben zurück. Firestarter agierte nun hochmotiviert und hielt jedem 2 Pints Plastikflaschenbier von Carling unter die Nase. Mein lieber Mann, so langsam wird das hier echt ne Herausforderung. Der Teutone und ich schafften nur ein Bier. Was machen wir mit dem anderen? Tja, dann muss das wohl mit auf den Sitzplatz. Wer regelmäßig in England durch die Stadien turnt, der weiß, so gerne wird das nicht gesehen. Halbzeit 2 startete und irgendwie hatte man den Eindruck, man sei urplötzlich in einem anderen Stadion. Es spielet nur noch Peterborough. Man hörte nur noch den Heimanhang. Und wie sollte es anders sein, durch ein Eigentor fiel der Ausgleich und drei Minuten später ging der Gastgeber in Führung. Millwall versuchte dann auf den Ausgleich zu drängen, aber hier und heute sollte es nichts mehr geben. Immerhin hatten wir noch unser geschmuggeltes Bier. Besser wie nichts. Ich hatte mittlerweile den Helm schon ganz schön lackiert, alle Achtung. Dennoch fiel mir ein, dass ich noch kein Ergebnis von PCR-Test hatte. Schnell die Mails gecheckt. Und tatsächlich, das Ergebnis war da. Es konnte kein eindeutiges Ergebnis bestimmt werden, deshalb wird der Test als negativ gewertet. So kann man es natürlich auch machen. Kannst du dir echt nicht ausdenken. Wir verließen das Stadion und wackelten zurück zum Bahnhof, mit einem kleinen Abstecher in den nächsten Pub. Ein kleines Abschiedspint war noch drin. Das Drumherum interessierte uns augenblicklich nicht mehr. Wir nahmen Abschied von Firestarter und vom Teutonen. Es war uns mal wieder eine Ehre. Im Zug hockten wir uns auf unsere Plätze und Mr. Elephant & Castle und meiner einer machten erstmal ein Nickerchen bis London. Das war Anlass genug für Mr. Belvedere ein kleines Fotoshooting zu veranstalten. Frei nach dem Motto, "Mach ich Foto, tu ich Facebook". Herzlichen Dank. In London angekommen wir ich wieder etwas fitter. Wir liefen durch den Bahnhof Kings Cross und suchten einen von Mr. Belvedere vorgeschlagenen Pub. 


Nach etwa 10 Minuten kamen wir dort an. Das Mac Gylnn's Free House war sehr einladend und urig, schön mit Teppich ausgelegt. Hier sollte der Abend ausklingen. Ich hatte auch genug und klinkte mich etwas aus. Mrs Elephant & Castle kam vorbei und brachte mir meine Tasche. Wir berichteten von unserem Nachmittag und machten ihr deutlich, dass wir eine tolle Zeit hatten. Daran konnte auch die Niederlage keinen Abbruch leisten. Sie fragte mich, wie das denn nun mit meinem Rückflug wäre. Ja stimmt, da war ja noch was. Das hatte ich völlig aus den Augen verloren. Online-Check In war immer noch nicht möglich. Da hatte ich ja noch was zu erledigen. Im aktuellen Zustand war ich aber definitiv nur bedingt flugtauglich. Da musste erstmal ein halbes Pint und ein Wasser her. Wir blieben gut eine Stunde in diesem Free House. Mr & Mrs Elephant & Castle machten sich auf den Weg nach Hause. Er war wirklich jenseits von Gut und Böse. Mr. Belvedere wollte noch mal nach London Bridge und seinem Stamm-Pub "The Sheaf" einen Besuch abstatten. Für mich wäre es alles andere als vernünftig nochmal mitzukommen. Zum einen hatte ich eindeutig genug getankt und zum anderen liegt es in entgegengesetzter Richtung. Zudem hatte ich ja noch meinen Rückflug zu klären bzw. war nicht sicher, ob das mit dem Einreiseformular nach Deutschland so richtig war. Um das zu klären sollte man schon einigermaßen klar im Kopf sein. Alles klar, ich komme mit. Folglich fuhren wir zu besagtem Pub. Dort angekommen, erstmal das Handy hinter der Theke laden. Und wenn man schon mal da ist, ein Pint von der Camden Town Brewery kann man schon mal trinken. Insgesamt blieb ich noch gut eine Stunde. Als ich anfing zu tanzen war selbst mir klar, das jetzt der allerletzte Zeitpunkt ist die Zelte abzubrechen und gen Heathrow zu fahren. Ich verabschiedete mich und machte mich auf dem Weg zur U-Bahn. Unterwegs fiel mir auf, ich hatte schon wieder die Nahrungsaufnahme vergessen und nur an das Nierenspülprogramm gedacht. Ich lerne es wohl nie. Deshalb suchte ich einen der kioskartigen Shops auf und deckte mich mit Sandwiches und einem Plastikbecher Edelpasta ein. Geht doch nichts über ausgewogene Ernährung. Mir wurde bewusst, dass ich heute das erste Mal eine Maske trug. Hier sieht man das ja alles etwas lockerer als zu Hause. In der U-Bahn machte ich es mir bequem und nickte direkt ein. Nach einer ganzen Weile schreckte ich hoch und befand mich an der Haltestelle Boston Manor. Ich packte meine Sachen und schnell raus aus der U-Bahn. Gerade so geschafft und die Bahn fuhr weiter. Ich hielt kurz inne und dachte nur, sag mal, haben die dir ins Hirn geschissen? Da steig ich eine Station vor dem Flughafen einfach aus. Warum? Warum macht man sowas? Mit einer gewissen Menge Selbsthass saß ich da und wartete auf die nächste Bahn. Mir war kalt und ich hatte Hunger. Mein Mahl wollte ich aber erst am Flughafen einnehmen. Gemütlich am Tisch in Neros Cafe. Die einfahrende Bahn war dann meine und ich erreichte dann Heathrow an Terminal 2. Juhu! In der Abflughalle angekommen steuerte ich direkt den Self Check-In-Automaten an. Ich versuchte erneut mein Glück. Fehlanzeige! Auch hier ging nichts. So eine Kacke! Ich schlich langsam Richtung Cafe. Dieses hatte nur reduzierte Sitzgelegenheiten und diese waren besetzt. Zudem hatte es keinen geöffneten Verkauf. Ich suchte mir ein angenehmes Plätzchen um in Ruhe etwas essen zu können und wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Diesen fand ich dann auch. Wo zur Hölle ist eigentlich meine Plastiktüte mit dem Festmahl? Du liebe Güte...die hab ich offensichtlich im Abteil der U-Bahn liegen lassen. Der Selbsthass stieg in ein neues Level. 

Um 3.30Uhr öffneten die Schalter der Airlines. Bis dahin hatte ich mich wie der letzte Tippelbruder schlafend auf den Boden gelegt und mit der Jacke zugedeckt. Ich stellte mich an und als ich dran war, sagte die junge Dame, sie könne nichts für mich tun. Dies wäre hier First Class, ich sei maximal Holzklasse. Zumindest kam es bei mir so an. Folgerichtig wechselte ich den Schalter und stand geschmeidige 15 Minuten an. Als ich an der Reihe war schilderte ich mein Problem. Das wunderte die Lufthansamitarbeiterin nicht. Ich trat den Flug am Freitag nicht an, somit habe ich nun keinen Zugriff auf diesen Flug. Mir fiel alles aus dem Gesicht. Und nun? Sie würde jetzt mal die Hotline anrufen. Viel Spaß dachte ich mir, das gibt nichts. Aber ich hatte Glück und sie konnte das Problem lösen. Allerdings müsste der Flug umgebucht bzw. neu gebucht werden. Das würde 18,- Pfund kosten. Ich war kurzzeitig erleichtert, da ich mit einem neuen Ticket gerechnet hatte. Ich legte ihr ein 20,- Pfund-Schein auf den Tresen. Nö, sagte sie. Cash nehme sie nicht an. Gut, dann halt eben die EC-Karte. Sie schaute mich an und sagte Nö! Das darf doch gar nicht wahr sein. So kurz vor dem Ziel scheitert es am Zahlungsverkehr? Warum auch immer, aber glücklicherweise hatte ich heute mal meine Kreditkarte dabei. Das gefühlt erste Mal Glück an diesem Wochenende. Sie druckte mir einen Wisch aus und mit dem sollte ich zum Check-In-Desk. Der Zettel sah aus wie das Produkt eines 12 Nadel-Druckers. Egal, wenn ich damit nach Hause komme, dann ist es gut. Ich stand wieder an und wartete. Als ich an der Reihe war zeigte ich den Zettel als auch meinen Reisepass vor. Dann wollte der Kollege das Einreiseformular. Ich sagte ihm, ich hätte keines, nur einen Screenshot. Diesen zeigte ich ihm. Er sah mich etwas verdutzt an....und sagte, das wäre doch das Einreiseformular. Da steht eine Nummer drauf und der Bundesadler ist drauf, das langt. Er gab weder diese Nummer ein noch sonst was. Jetzt war ich perplex. Die ganze Aufregung umsonst? Ich trottete Richtung Sicherheitscheck und passierte diesen problemlos. Schnell noch aufs Klo und ab zum Gate. Dort zog ich mir am Automaten ein Wasser. Ich war ehrlich gesagt komplett erledigt. Die Hoffnung wieder einen leeren Flieger zu haben um mich über drei Sitze lang legen zu können, löste sich schlagartig in Luft auf. Pustekuchen, der Bomber war voll. Mir wurde die zweifelhafte Ehre zu teil, zwischen zwei richtigen Kaventsmännern zu hocken. Freiraum gab es da nicht. Es war mir auch mittlerweile egal. Nur nach Hause wollte ich. Einfach nach Hause. Den ganzen Flug über schlief ich. Wahrscheinlich hatten meine Sitznachbarn auch keinen schönen Flug. Mit meiner Fahne und möglicherweise meinem Schnarchen kam bestimmt wenig Freude auf. Am Fraport angekommen verlief ich mich erstmal auf dem Weg zur Passkontrolle. Ich irrte wie ein Idiot umher. Irgendwann hatte das Schicksal ein Einsehen und ich konnte einreisen. Auch die Grenzbeamtin war mit dem Screenshot komplett zu frieden. Ab zur S-Bahn und dann umsteigen in die U-Bahn. Zu Hause angekommen stolperte ich erstmal in die Dusche und verkroch mich im Anschluss ins Bett. Game over!

Ob sich der ganze Aufwand, der Stress und die Kosten gelohnt haben? Definitiv nicht. Ob ich das nochmal machen würde? Auf jeden Fall! Es war gut endlich wieder mal mit dem Club und den Lads unterwegs gewesen zu sein. Beim nächsten Mal weiß ich wie alles abläuft und man kann entspannter die Dinge angehen. Keine Woche später hat der Brite realisiert, dass Corona eben +
nicht "Over" ist. Jetzt hagelt es Spielabsagen und noch striktere Reisebedingungen. Somit hab ich unter dem Strich nicht all zu viel falsch gemacht. Mein Portemonnaie sagt da was anderes, aber was soll's? Ein Trip muss halt der teuerste ever sein. Dann war es wohl dieser gewesen. So ist das manchmal.

Jetzt mal den Februar, März und April im Auge behalten und dann geht es wieder rüber.

Corona ist ein Arschloch....aber.....Fuck off, I'M MILLWALL!!!














Sonntag, 31. Oktober 2021



Nach Corona......der erste Ausflug geht nach Saarbrücken


1.FC Saarbrücken - TSV 1860 München 1:1 (0:0)

Stadion Ludwigspark, Zuschauer: 12.347, Auswärtsfahrer: ca. 700 (23. Okt. 2021)



Auf Grund der Corona-Pandemie konnten viele Fahrten zu interessanten Spielen nicht durchgeführt werden. Das nagt natürlich am Gemüt des gemeinen Fußballfahrers. So natürlich auch an meinem. Die große Frage war, welches Spiel wird das Erste sein, das ich wieder mit einer Fahrt besuche. Das will ja gut überlegt sein. Einer meiner guten Kontakte fragte, ob ich nicht mal zu Besuch kommen mag und man könne ja ein Spiel seines Clubs besuchen. Er bot an, zum Heimspiel seines Clubs gegen die Münchner Löwen zu kommen. Na prima...die erste Fahrt seit 1 1/2 Jahren und es sollte Saarbrücken -1860 München werden. Anfänglich war meine Begeisterung übersichtlich, aber auf der anderen Seite, was soll's?! Ich mach das Ding. Mein bester Kumpel aus Grundschulzeiten, die Maschine, bot sich an mitzukommen. Naja...er wollte mit mir Bier trinken gehen. Ich sagte ihm, ich bin aber an dem Tag unterwegs in Sachen Fußball. Gut, er käme mit. Alles klar...machen wir doch gerne.


Am Vorabend war ich noch beim Heimspiel des eigenen Clubs. Diese lederten die Provinzler von der Schwäbischen Alm mit 4:0 ab und das motivierte natürlich am kommenden Morgen um 7:00 aufzustehen. Als der Wecker klingelte dachte ich, mich trifft der Schlag. Kopfschmerzen, verrotzt, Gliederschmerzen. Ich war völlig kaputt. So kann man definitiv nicht arbeiten gehen. Prima, heute geht es ja zum Fußball. Also raus aus dem Bett, ab ins Bad und fertig machen. Um Frühstück brauchte ich mich nicht kümmern, denn die Maschine kündigte ja groß an, er würde welches für den Zug mitbringen. Das Haus wurde fluchtartig verlassen, da ich dann doch wieder getrödelt hatte. Mit einem Sprint erreichte ich die U-Bahn und los ging es Richtung Hauptbahnhof. Wir trafen uns am Gleis und bestiegen den ICE. Im Zug enterten wir natürlich direkt das Bord Bistro. Hier besorgte ich mir erstmal einen Orangensaft. Richtig gute Idee wenn einem eh elend ist. Nach kurzer Fahrt musste in Monnem das Gefährt gewechselt werden. Vom ICE ging es nun in die Bimmelbahn und somit ins Saarland. Jeder der schonmal diese Strecke fahren musste, weiß....schön ist anders. Wir sicherten uns einen 4er-Platz mit Tisch und beobachteten durch das Fenster wer sich noch dazu gesellte. Zu unserer Überraschung nicht gerade wenige. Während wir so aus dem Fenster sahen, erspähten wir einen Schwung von ca. 20-25 Löwenfans, die sich ebenfalls in unseren Zug quälten. Die waren aber schon jenseits von Gut und Böse und schleppten etliche Flaschen der Augustiner Brause mit sich. Ich befürchtete, sie werden sich zu uns setzen. Nee, Glück gehabt. Statt dessen hockte sich ein Paradebeispiel der Grünen Jugend zu uns. Ein Gespräch kam Gott sei Dank nicht zu Stande. Lag aber auch daran, dass der Seifen-Toni sein Strickzeug auspackte und munter drauf losstrickte. Die Maschine hatte tatsächlich Frühstück dabei. Käsebrötchen, Brezeln und leckeres Hochstift aus der Heimat. Den Jungen kann man mitnehmen, dachte ich mir noch so. Ich bekam ein Hochstift und wundersamerweise hing da ein Briefchen dran. Irritiert schaute ich und öffnete dieses. "Willst du mein Trauzeuge sein?" konnte ich da lesen. Puuhh...Glück gehabt. Hatte im ersten Moment befürchtet einen Antrag zu bekommen. Ja, ich hab ja ohnehin nichts zu tun. Mache ich das halt auch noch. Erstmal einen großen Schluck Bier nehmen. Mein körperlicher Zustand war weiterhin ein Desaster.  Mir war schlecht, verschnupft und es tat mir alles weh. Auf der Fahrt durch diese trostlose Gegend, auch Pfälzer Wald genannt, und auch in Richtung Saarbrücken passierte nichts mehr. Die Löwen haben wir weder gehört noch gesehen. Die Strickliesel klöppelte brav an seinem Projekt weiter und alles zog sich wie Kaugummi.


In Saarbrücken angekommen wurde als erstes Kontakt mit dem Saarbrigger aufgenommen. Er warte am Ausgang des Bahnhofs auf uns. Ich versuchte meine Tasche im Schließfach unterzubekommen. Leider passte sich dieses nicht meinem Kleingeld an. Die Hutschnur ging schon wieder hoch, aber durch einen Geldwechsel beim Bäcker konnte die Situation noch gerettet werden. Nachdem dieses Problem gelöst war, suchten wir den Saarbrigger. Als wir ihn gefunden hatten begrüßte er uns freundlich und drückte jedem eine grüne Dose Karlsberg in die Hand. So begrüßt man Gäste. Sehr gut. Wir machten uns auf den Weg zur Stammkneipe. Auf dem Fußmarsch wurden die neusten Geschichten ausgetauscht. Irgendwann musste ich ihn allerdings doch fragen: "Wie zur Hölle bist du in deine Jeans gekommen?" Diese Skinny Jeans an Männern machen mich noch irre. Eine aufklärende Antwort bekam ich allerdings nicht. Wahrscheinlich verstand er mein Anliegen nicht mal. Sei es drum. Noch um zwei, drei Ecken rum und dann waren wir da. Er erklärte uns noch, wo die Hausherren mal "überraschenden" Besuch von Hansa Rostock bekamen. Klang irgendwie, als ob der Satz Heiße Ohren von der Ostsee nicht so freudig aufgenommen wurden. Tja, so ist das manchmal mit den Gastgeschenken. Vor der Kneipe war auf jeden Fall schon einen Menge los.


Wir kamen an und unser Gastgeber schien sowas wie ein bunter Hund zu sein. Hallo hier und Bon jour da, so ist das in Ostfrankreich wohl. Der kennt hier echt jeden. Wir wurden unzähligen Leuten vorgestellt. Bisserl Small Talk und schon saßen wir auf dem Trockenen. Das war aber kein Problem. Wer den Saarbrigger kennt, dem gehen die Getränke nicht aus. Er ist nicht nur der Babo hier in Rodenhof, sondern auch am Glas. Nach kurzer Zeit kam er wieder aus der Kaschemme und brachte einige Flaschen Karlsberg mit. Gut trinkbares Bier. Wir standen in Mitten des Heimanhangs und lauschten den uns fremden Worten. Die meisten hörten sich an wie Heinz Becker auf  Speed. Der Aufenthalt gestaltete sich kurzweilig. Urplötzlich kam er wieder mit Braugut an. Diesmal schimmerte der goldene Hopfsaft allerdings arg dunkel. Er habe mal 3 Picon mitgebracht. Juhu, denn das kenne ich ja von einigen Besuchen aus Strasbourg. Für die, die es nicht kennen: Picon Beer ist ein Pils von 0,5l mit 2-4cl Picon Orangen-Likör. Hier in Saarbrücken waren es dann nur 0,3l und einem mehr als ordentlichen Schwung Picon. Wuuuhh...richtig stabil. Neben den Saarländern waren auch einige ihrer Freunde aus Nancy anwesend. Irgendwann musste dann doch mal das Stille Örtchen aufgesucht werden. Auch wenn die Coronaregeln noch gelten, hier interessierte es niemanden. Die Maske blieb in der Jacke und ich quälte mich in die Kneipe. Nach längerem Anstehen konnte die Nasszelle betreten werden. Nasszelle traf es ganz gut. Sagen wir so, trocken war der Boden hier nur noch an den wenigsten Stellen. Zudem war es hier so eng, nicht mal eine Katze könnte sich hier ausstrecken. Zurück im Schankraum ließ ich meinen Blick schweifen. Mein lieber Mann, ist das eine Pinte. Pflegeleichter Fliesenboden, 80er-Jahre Thekeneinrichtung und an einem Tisch am Ende des Raumes saßen zwei fast 70jährige, die auf dem Tisch eine Kiste Bier hatten, die sie schon zur Hälfte leer war. Solche Gaststätten lassen einem das Herz höher schlagen. Kein Chi-Chi, sondern Pils und Schnaps. Diese Klause spricht für sich. Draußen bei den Jungs angekommen wurde das natürlich gleich besprochen. Wir waren uns einig. Kneipen mit den Namen Stube, Stübchen oder Klause bieten genau das, was man will. Frei nach Fritz Honka....Schmiersuff!. Wir nahmen noch ein, zwei Bierchen und faselten über das neue Stadion. Dann mussten wir aufbrechen, da wir am Stadion noch den Check des Impfstatus über uns ergehen lassen mussten. 


Nach einem kurzen Fußmarsch kamen wir am neuen Ludwigspark an. Den alten kannte ich noch von einem Auswärtsspiel meines Clubs, als wir den Gästeblock mit Bengalos in Nebelschwaden in rot-weiß verwandelten. Das ist aber eine andere Geschichte. Am Info-Container sollte dann jeder seinen Impfstatus vorzeigen. Auf Grund unerklärlicher motorischer Defizite meinerseits schaffte ich es nicht, die App zu starten. Der blonde Hase hinter dem Fenster sagte nur mitleidig "Komm, lass gut sein. Hier haste den Stempel.". Sie drückte mir ein Stempelchen in Größe eines Fliegenschisses auf den Handrücken. Diesen sollte ich am Eingang vorzeigen. Es dauerte keine 20 Sekunden und der Stempel, offensichtlich das Wappen des 1.FCS, war verwischt. Das kann ja gleich heiter werden am Eingang. Wir suchten unser Eingangstor und beim Einlass interessierte sich niemand für den Stempel. Maschine und ich wurden auch gar nicht wirklich kontrolliert und konnten direkt rein. Der Saarbrigger wurde dagegen richtig kontrolliert. Taschen leer machen usw. Tja, die kennen wohl ihre Pappenheimer. Als er dann endlich bei uns war, suchten wir erstmal die sanitären Anlagen auf. Als wir zurück kamen stand unser Gastgeber mit einem Schwung Bier vor uns. Seine Schlagzahl ist jedes mal wieder beachtlich. Wir begutachteten das neue Stadion und waren erstaunt, denn keiner konnte sich erklären wo hier 50 Millionen Euro verbaut worden sein sollen. Zumal die Kapazität um etwa 20.000 reduziert wurde und die Gegentribüne noch die alte ist. Ich glaub ja, die haben sich da über den Leisten ziehen lassen. Die wurden richtig verarscht. Da das Spiel bald losgehen sollte gingen wir auf die Tribüne. Wir entschlossen uns das Spiel im Stehen hinter der letzten Sitzreihe anzusehen. Der Saarbrigger wollte gerne mal seine Tribüne von hier aus sehen und hören. Wir hatten einen guten Blick in den weiten Rund. Die Heimtribüne hinter dem Tor war gut gefüllt und zwischendurch angenehm laut. Allerdings wirkte es manchmal mit angezogener Handbremse. Das lang aber eventuell auch daran, dass die kommenden beiden Spiele gegen Mannheim und dann zu Hause gegen Lautern sein werden. Da will ja keiner vorher unangenehm auffallen. Der Auswärtsblock war mit ca. 700 Leuten ordentlich gefüllt. Der Support war sowohl in der ersten, als auch in der zweiten Halbzeit extrem mau. Das lag auch daran, dass die aktive Szene offensichtlich nicht mit angereist war. Als der Halbzeitpfiff ertönte gingen wieder zurück hinter die Tribüne. Wenn man schon hier ist, kann man auch nochmal austreten gehen. Zurück vom Klo wackelte der Saarbrigger uns entgegen, mit 8 Bieren. Wir waren zu dritt, aber keine Ahnung wie er auf 8 Bier kam. Er stellte die Rutsche Bier ab und schmiss dabei erstmal zwei Kaltgetränke um. Somit war die Anzahl reduziert und wieder gerecht aufteilbar. Wir gingen zurück auf unsere Plätze. Fußballerisch war die zweite Halbzeit ähnlich wie die erste. München ging in Führung und 10 Minuten vor Ende glichen die Gastgeber vom Elfmeterpunkt zum Endstand aus. Hier wurde es mal richtig laut in der Heimkurve. Das eigentliche Highlight war allerdings, als ein Ordner angedackelt kam und uns darauf hinwies, dass wir hier nicht stehen dürfen, aus Gründen der Sicherheit. Das fiel dem Kollegen 15 Minuten vor Schluss auf. Wir stellten uns eine Reihe tiefer und das war für ihn soweit in Ordnung. Schön das wir darüber gesprochen haben. Wir verließen dann das Stadion und machten uns auf den Weg in die City.


Nach einem gefühlten Gewaltmarsch von gut 25 Minuten kamen wir in der Innenstadt an. Mittlerweile gesellte sich ein weiterer Saarbrücker dazu. Dieser Hightower war mal locker über 2 Meter groß. Aber offensichtlich hat er ähnliche Skills wie der Saarbrigger drauf. Als wir am St. Johanner Markt ankamen steuerten wir direkt den Außenbereich der Kneipe Marktbrunnen an. Hier gab es das Bier der Brauerei Bruch im Ausschank. Für diese Brauerei arbeitete der Braumeister mal. Der Hightower gab direkt eine Bestellung auf. Ein Bier für jeden scheint für Saarländer unmöglich zu sein, es müsse wohl pro Hand jeweils ein Bier sein. Wie es mir gesundheitlich ging war schwer zu sagen. Mir war kalt und ich war bierselig. Somit war wohl alles okay. Wir tranken die georderten Biere und zogen weiter ins Irish Pub Wally's. Hier konnten wir uns aufwärmen und wupps noch ein Pint trinken. Irritiert war ich über die Tatsache, dass die Maschine, die immer als letztes nach Hause geht, komplett zerstört war. Der zog zwar alles mit durch, aber die Verluste waren nicht zu übersehen. Der Saarbrigger konnte da nur müde drüber lächeln. Es war Zeit aufzubrechen, wenn wir den Zug nach Hause noch erreichen wollten. Quer durch die Fußgängerzone schlappten wir gen Bahnhof. Unterwegs kümmerte ich mich noch um den Proviant für die Rückfahrt. Ich steuerte direkt, na gut...eher indirekt, den Außenverkauf von Nordsee an und kaufte einige ausgewählte Fischbrötchen. Am Bahnhof angekommen zauberte der Saarbrigger noch zwei Knollen Karlsberg für seine Besucher hervor. Guter Mann! Wir schlichen in den Regional-Express und quälten uns wieder quer durch das Saarland und die Pfalz. Die Maschine baute nun richtig ab und machte ein Nickerchen. Mir ging es ähnlich und so hätten wir fast den Umstieg in Monnem verpasst. Ihn schnell geweckt und fix raus aus der Bahn. Wir wechselten das Gleis. Laut Anzeige hatte unser Anschlusszug eine Verspätung von 45 Minuten. Ich war müde, mir war kalt und ich wollte nach Hause. Dann erspähte ich am Nebengleis einen anderen ICE der uns nach Hause bringen würde. Dieser stand zufällig da, weil er 75 Minuten Verspätung hatte. Ich machte der Maschine unmittelbar klar, dass wir jetzt diesen Zug nehmen werden. Scheißegal ob es dann Ärger mit dem Schaffner geben würde. Ihm war es völlig egal, denn er fragte immer wieder, wo er die FFP2- Maske her hätte. Es wäre nicht seine. Keine Ahnung wo er die wieder her hatte. Wir stiegen direkt am Bord Bistro ein. Meine motorischen Fähigkeiten verließen mich erneut und so kämpfte ich mit meiner fu***ng Maske. Wir kamen ins Bord Bistro und direkt plärrte mich der Servier-Jupp an, ich hätte eine Maske zu tragen. Und der Typ neben mir ebenfalls. "Junge, pass mal auf! Was glaubste was ich hier grad mache?? Ich hab sie ja schon an. Siehste!" blökte ich zurück. Er verzog sich dann in den hinteren Teil seines Verkaufskiosk. "Und in dem Ton redest du Vogel nicht noch mal mit mir!" schleuderte ich ihm noch hinterher. Von der Maschine kam nur noch "Das ist nicht meine Maske. Wo hab ich diese Maske her?". Bei der anderen Servierkraft bestellte ich zwei Bier. Ich bekam diese und zack, knallte der Rollladen des Verkaufskiosk herunter. Da standen wir nun. Wir zwängten uns nun das Bitburger rein und waren froh, als wir am Zielbahnhof ankamen. Wir verabschiedeten uns und er fuhr mit der S-Bahn in sein Dorf in den Taunus und ich in den Ostteil der Stadt. Unterwegs holte ich noch beim Italiener des Vertrauens eine Pizza. Zu Hause angekommen aß ich nur einen Teil und verzog mich direkt ins Bett. Ich war fertig und bedient.


Die erste Fahrt seit langen war eingetütet. Unterm Strich war es ein kurzweiliger Trip. In einer besseren körperlichen Verfassung wäre es auch nur halb so anstrengend gewesen. Dem Saarbrigger ein Danke für einen spaßigen Nachmittag. Ihm sei gesagt, deine Stammkneipe heißt übrigens nicht Rodenhof-Klause sondern Sportklause. So steht es zumindest außen dran. Haha. Sonntagnachmittag ereilte mich die Nachricht aus dem Taunus, dass es der Maschine nicht gut gehen würde. Wahrscheinlich habe er eine Fischbrötchenvergiftung. Sicher....was auch sonst?!




 

Montag, 13. April 2020

Kurztrip nach Schottland


Hibernian Edinburgh - Heart of Midlothian 1:3 (0:0)

Easter Road Stadium,  Zuschauer: 20.197,  Auswärtsfahrer: ca. 3.000  (03.Mär. 2020)

Glasgow Rangers - Hamilton Academical 0:1 (0:0)

Ibrox Stadium,  Zuschauer: 48.167,  Auswärtsfahrer: ca. 80  (04. Mär 2020)


Nach einem arbeitsreichen Montag hieß es wieder Tasche packen, denn am Dienstagmorgen sollte es zum ersten Mal nach Schottland gehen. Ursprünglich war das Lokalderby in Edinburgh für Mittwoch terminiert gewesen. Somit war der Plan, mittwochs an die Easter Road zu gehen, dann zwei Tage Sight- und Pubseeing und samstags dann dem Tynecastle Park ebenfalls einen Besuch abzustatten. Am Sonntag sollte der Trip dann mit Rugby und dem Spiel Schottland - Frankreich im Six Nations Tournament einen goldenen Abschluss finden. Der Plan stand und wurde für gut befunden. Doch leider machten mir die SFA als auch das Coronavirus einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Zum einen wurde das Derby in der schottischen Hauptstadt auf Dienstag vorverlegt und zum anderen das Rugbyspiel wegen der Coronakrise in den Oktober verlegt. Die Planungen wurden über den Haufen geworfen und somit wurde aus der langen Reise mal wieder eine Fahrt mit kleinem Zeitfenster. Leider ließ sich diesmal keiner motivieren ebenfalls mitzukommen. Vom Anwalt, dem Braumeister als auch von den heimischen Eierdieben kamen nur Absagen oder Ausreden. Die Brut aus Südlondon bewegt sich aus Prinzip schon nicht in den Norden, ins gefühlte Ausland. Somit trat ich diesen Ausflug alleine an.

Zur regulären Aufstehzeit quälte ich mich aus dem Bett und richtete mich im Bad her. Danach schnappte ich mir die Tasche und nahm gemütlich die Bahnen in Richtung Flughafen. Unterwegs wurde mir bewusst, dass mein Zeitmanagment suboptimal war und ich mir, warum auch immer, eine Stunde zu wenig eingeplant hatte. Am Flughafen angekommen, schnell die Skybahn zum Terminal 2 bestiegen und ab zum Gate. Diesmal sollte ich der Hansa untreu werden und mit British Airways fliegen, erst nach London, dann weiter nach Edinburgh. Da mein Abfluggate schon angezeigt wurde, wollte ich nur noch schnell durch die Sicherheitskontrolle durch. Denkste! Der übermotivierte Mitarbeiter behauptete frech, es sei eine Flasche mit einer Flüssigkeit im Inneren der Tasche. Ich versuchte ihm verständlich zu machen, ich hätte heute nicht mal Zeit gehabt, unterwegs etwas zu mir zu nehmen, geschweige denn, mir etwas zu kaufen. Er sah mich an, öffnete die Tasche und zog eine Flasche Cola light heraus. Kurzes Schweigen! Mir fiel wieder ein, dass ich die wohl auf dem Rückweg von Düsseldorf nach Frankfurt erworben hatte. Da wir das nun geklärt hatten, fragte ich ihn freundlich, ob ich sie nun haben könne. Nöö, konnte ich nicht. Ab in den Mülleimer damit. Da diese ganze Aktion doch etwas Zeit in Anspruch nahm war kein zeitlicher Puffer mehr da. Wegbier ade! Somit ging ich durstig in den Linienbomber und hob Richtung Insel ab. Da ich lieber die günstigere Variante wählte, musste ich in London zwischenlanden und umsteigen. Hierfür hatte ich knapp 40 Minuten Zeit. In der Abflughalle steuerte ich den erstbesten Zapfhahn an und gönnte mir ein überteuertes London Pride. Herrlich! Dank mangelnder Reisebegleitung schwelgte ich in Erinnerungen und schwupps war die Zeit herum. Ich leerte überstürzt mein Glas und setzte zum Spurt quer durch den Abflugbereich zu meinem Gate an. Wieder auf den letzten Drücker kam ich zum Boarding und nahm meinen Platz ein. Da BA, ähnlich wie Ryanair, für jeden Mist seinen Gästen Kohle aus der Tasche leiert, war das erneut ein trockener Flug. In Schottlands Hauptstadt angekommen, suchte ich mir meinen Weg zur Tram und fuhr entspannt in die City. Die 30 Minuten nach Edinburgh, vorbei an Murray Field, ließ ich auf mich wirken. Das scheint hier mein Fall zu werden. Als ich die Innenstadt erreichte, begab ich mich zu Fuß zum Hotel. Einchecken, Handy laden und fix was zu Essen organisieren.

Nachdem ich mich gestärkt hatte, machte ich mich stadionfertig und begab mich in die Rose Street in der New Town. Hier entdeckte ich einige einladende Pubs und steuerte als erstes die "The Rose Street Brewery" an. Netter Pub, ab an die Theke und ein Ale bestellt. Nach dem ersten Schluck nahm ich Kontakt zum Scotsman auf. Über sehr gute Kontakte nach Münster, war es mir möglich, für dieses Derby ein Ticket zu ergattern. Hierfür noch mal Danke, großer Meister. Da der Highlander allerdings noch an der Arbeitsstelle weilte, verabredeten wir uns vor Spielbeginn direkt vor dem Eingang. Gut, die Rahmenbedingungen stehen, also bekommt ein weiteres Ale eine Chance. Als nächstes steuerte ich "The Abbotsford" an. Mein Plan war es, auf dem Weg zur Bushaltestelle der ein oder anderen Gaststätte einen Besuch abzustatten. Das "Abbotsford" glänzte durch eine 360°-Theke. So gefällt mir das, das Wesentliche im Mittelpunkt. Nach weiteren zwei Pints machte ich mich auf den Weg zum Bus in Richtung Stadion. Nachdem meine App in Bella Italia so grandios versagt hatte, hier zeigte sie ihr ganzes Können. Ich fand auf Anhieb den richtigen Bus und wir fuhren durch den Feierabendverkehr in Richtung Stadion. Als ich das Flutlicht der Easter Road aus dem Bus heraus erspähte, entschloss ich mich auszusteigen und den Rest zu Fuß zurück zu legen. Aus dem Bus heraus und schon erblickte ich "The Safari Lounge". Dieser Pub war eine herrliche Bruchbude. Aber die Vernunft siegte und ich marschierte vorbei am Meadowbank Shopping Park zum Stadion. Noch fix durchs Wohnviertel und schon stand ich vor dem Stadion...am Gästeblock. Hier war ich definitiv falsch. Ich drehte eine Runde um den Ground. Schon ein hübsches, britisches Stadion. Die Coppers waren präsent, aber völlig entspannt. Ein Blick auf die Uhr gestand mir noch etwas Zeit ein und ich suchte mir einen Pub mit Heimfans. Ich entscheid mich für den Pub "The Iona Bar". Warum? Hier wurde gegröhlt, es war voll und abgeranzt. Ich öffnete die Tür und mir flog eine Dunstwolke aus ausgedünstetem Alkohol, Männerschweiß und Modergeruch entgegen. Dazu erklangen aus den Boxen "The Undertones" mit "Teenage Kicks" bei gefühlten 35° Pubtemperatur. Mit Schieben und Drängeln ackerte ich mich zur Theke vor und bestellte mir mein erstes Tennent's. Schmeckt gut. Im Pub wurden immer wieder Fussballsongs angestimmt. Ich stellte mich an die Wand und ließ das Treiben auf mich wirken. Irgendwann wollte ich kurz Luft schnappen und stellte mich in die Eingangstür. Dort blieb ich aber keine 2 Minuten stehen. Eine der Thekenmitarbeiterinnen schob mich unsaft zurück in den Pub und raunzte mir etwas ziemlich unverständliches entgegen. Muss wohl sowas wie "Draußen nur Kännchen" gewesen sein. Gut, eventuell auch nur, dass man die Gläser nicht mit rausnehmen soll. Keine Ahnung! Ich trank nach einer Weile aus und ging Richtung Stadion. Es waren nur noch 15 Minuten bis Spielbeginn und ich traf mich mit dem Highlander vor dem Eingang. Er kannte mich nicht, ich ihn nicht. Wir machten uns fix bekannt. Er stellte mich seinen Lads vor und es passte von Beginn an. Here we go.

Wir betraten 5 Minuten nach Spielbeginn den Unterrang der Hintertortribüne. Hinter der letzten Reihe stellten wir uns hin und die Jungs beflaggten ihren Bereich mit ihrem grünen Banner. In der ersten Halbzeit war es ein Gekicke wie bei Millwall. Schnell, harte Zweikämpfe, wenig Spielkultur, aber Leidenschaft pur. Auf den Rängen war die gegenseitige Abneigung durchaus spürbar. Die Hearts als Tabellenletzter schlugen im letzten Spiel die Glasgow Rangers und schmissen sie somit aus dem Pokal. Die hatten also Selbstvertrauen und waren die bessere Mannschaft. Mit 0:0 ging es in die Halbzeit. Warum auch immer, aber der Heimanhang hatte kein Vertrauen in sein Team. In der zweiten Halbzeit zeigte sich auch warum. Die Hearts dominierten das Spiel und gingen folgerichtig auch 2:0 in Führung. Die Stimmung bei den Hausherren war nun völlig dahin und sie beschränkten sich auf das Bepöbeln der Gäste. Diese schienen das zu genießen und provozierten ohne Unterlass. Meine Begleiter waren irgendwann komplett bedient, nahmen ihre Fahne ab und verabschiedeten sich. Ich fragte, ob wir noch auf ein Pint gehen wollen. Sie lehnten dankend ab, beschimpften ihr Team und gingen. Tja, das hatte ich mir anders vorgestellt. Aber ich kann es verstehen, glänzt doch der eigene Verein immer wieder mit indiskutablen Derbyauftritten. Ich schaute mir das Geschehen weiter an. Am Ende siegten die Hearts mit 3:1. Unter dem Strich muss ich zugeben, vom Assi- und Pöbelauftritt hat mich Heart of  Midlothian überzeugt.

Nach dem Spiel bauten die Coppers eine beeindruckende Straßensperre auf. Das letzte Mal das ich so ein Ding sah, war in Sheffield als Millwall da gegen United spielte. Ich musste mir einen anderen Weg zur Bushaltestelle suchen. Diese fand ich dann auch und wollte dann entspannt zurück zur Rose Street. Da wollten noch einige Pubs besucht werden. Der Bus war gut gefüllt, mit lauter sozialschwachen Assis in Grün-Weiß. Ich machte es mir in der letzten Reihe gemütlich und beobachtete das Schauspiel. Wenn der Bus fuhr, provozierten die Insassen die vorbeilaufenden Hearts-Supporters auf das übelste. Sobald der Bus an einer Ampel hielt oder eine Haltestelle ansteuerte, waren sie still. Dann schlugen die Kollegen außerhalb des Busses mit den Händen an die Scheiben. Das war schon lustig anzusehen. Ich wartete nur darauf, dass ein Spitzbube endlich eine Flasche oder Glas gegen die Fensterscheiben schleuderte. Auch diesmal wurde ich enttäuscht. Sie sind hier oben ja dann doch ganz nett, die Schotten. In der City angekommen, hatte ich vor den Bus zu verlassen, doch vor mir wollten zwei Hibs-Supporters im Teenageralter doch nicht aussteigen und blieben lieber in der offenen Tür stehen. Lag möglicherweise daran, dass draußen ein Schwung Hearts stand, die sie zum Tanz aufforderten. Der Akzent ist teilweise echt nicht leicht zu verstehen. Ich schob den einen unsanft aus dem Gefährt, denn für so einen Quatsch hatte ich nun wirklich keine Zeit. Ich ging nach rechts weg und hörte hinter mir nun ein lautes Gezeter und Geschreie. Da es hier weder mein Zirkus, noch meine Affen sind, ging ich seelenruhig von der Princes Street zur Rose Street. Dort kehrte ich in den Pub "The Kenilworth" ein. Auch hier fand sich eine 360°-Theke. Ich orderte mein Ale und ließ mich auf einem Ledersessel nieder. Leider herrschte hier Totentanz. Außer mir war nur noch ein Pärchen anwesend, das verzog sich aber schnell. Ich trank aus und ging die Rose Street ein Stückchen weiter. Hier entdeckte ich den "Rose & Crown"-Pub. Hier war deutlich mehr los. Ich setzte mich an die Theke und  orderte mich quer durch die ansprechenden Schilder an den Zapfhähnen. Neben mir saß ein älterer Zecher der das Mädel hinter dem Tresen zutextete und dabei einen Whiskey nach dem anderen vernichtete. Stabil für einen Dienstagabend. Die Tür ging auf und eine Hand voll Spanierinnen betraten den Laden. Sie waren auch alles andere als nüchtern und pflanzen sich auf zwei Sofas vor dem Fenster. Irgendwann fingen sie an zu den Klängen der Musik zu tanzen. Hier war was los. Weit nach Mitternacht saß ich mit dem Whiskeykenner alleine im Pub. Das Personal stellte schon die Stühle auf die Tische. Das war wohl die Aufforderung zu gehen. Folgerichtig bestellte ich noch ein weiteres Pint und genoss dieses sichtlich. Danach wackelte ich zurück in die Unterkunft und legte meinen müden Körper zufrieden ab.




Am nächsten Morgen machte ich mich dann doch eher später als früher auf, um etwas Tourikram zu unternehmen. Da ich nur wenig Zeit in dieser Stadt verbringen konnte, entschied ich mich, hoch zum Edinburgh Castle zu gehen und anschließend die Royal Mile hinunter zur Queens Gallery zu laufen. Danach sollte es nach Glasgow gehen. Am Castle angekommen, ließ ich die Aussicht auf mich wirken. Eine Stadt mit hohem Wohlfühlfaktor. Nach einer Weile ging ich dann die Royal Mile hinunter. Glücklicherweise tummelten sich hier überraschend wenige Touristen. Einige hübsche Pubs winkten förmlich nach mir. Aber ich blieb standhaft. Nach zweidrittel der Wegstrecke entdeckte ich eine absolute Schönheit. Einen uralten Pub aus Stein mit Türmchen und Uhr, "Tolbooth Tavern"!! Leider hatte er zu. Wirklich ärgerlich. Als ich das schottische Parlament passiert hatte und mir die Queens Gallery ansah kam dieses Kribbeln über mich. Ich musste zurück zu diesem urigen Pub. Als ich diesen erreichte, waren die Türen allerdings weiterhin verschlossen. Ich lief zum Hintereingang, aber auch da fand ich keinen Einlass. Ich googelte die Öffnungszeiten und sah, dass der seit 5 Minuten offen haben sollte. Ich schaute durch das Fenster und sah eine ältere Dame hinter dem Tresen. Ich ging wieder zur Eingangstür und klopfte. Ich klopfte morgens, an einem Mittwoch, an einer Pubtür und wollte hinein. Wie verzweifelt kann man sein? Das Mütterchen öffnete und schaute mich irritiert an. Ich fragte sie, ob sie nicht auf hätten? Sie nickte und ließ mich hinein. Ich schaute mich um und fand es direkt gemütlich. Ich orderte ein Belhaven Best und setzte mich in eine Ecke. Ich las eine weile und labte mich am Ale. Dann sollte das mein Frühstück sein. Zum Mittagessen kamen dann andere Gäste. Ich war glücklich mit dem was ich hatte. In mir reifte die Entscheidung etwas länger hier in Edinburgh zu bleiben und erst später nach Glasgow zu fahren. Beide Städte kann ich mir sowieso nicht ansehen, dann bleib ich halt noch hier. Nach gut zwei Stunden machte ich mich zurück zum Hotel, um meine Tasche zu holen. Unterwegs deckte ich mich noch fix mit Proviant ein und fuhr dann gemütlich nach Glasgow. Hier sollte am Abend ja das nächste Spiel warten.

In Glasgow angekommen checkte ich schnell bei der osteuropäischen Schönheit am Empfang ein und bezog mein Zimmer. Im Flur war Teppich im Tartanmuster verlegt, gefällt mir. Warum mitten im Badezimmer eine Säule verbaut wurde, bleibt wohl auf ewig das Geheimnis des schottischen Architekten. Dann bemerkte ich, dass ich meinen Adapter im Zug hatte liegen lassen. Na prima, jetzt hatte ich schon wieder ein enges Zeitfenster, denn ich blieb ja länger in Edinburgh als geplant, und dann sowas. Ich dackelte wieder runter zur Russen-Olga und fragte sie, wo ich hier einen neuen erwerben könnte? Unfassbar umständlich erkärte sie mir wo ich einen bekommen könne. Ich konnte ihr kaum folgen. Oder ich könne für ein Pfund einen bei ihr kaufen. Danke, Svetlana, das hätten wir aber auch schneller abhandeln können. Zurück im Zimmer lud ich das Handy und machte mich im Bad spieltagfertig. Bevor ich mich mit der Metro zum Ibrox Stadium begeben wollte, hatte ich schon wieder Durst. In der Nähe meiner Unterkunft befand sich ein "Wetherspoons". Dem Geezer aus Saarbrücken wäre beim Anblick wahrscheinlich wieder feucht im Schlüppi geworden, aber ich mag diese Großraumpubs in der Regel nicht so gerne. Diese sind zwar preislich attraktiv, aber erinnern mich eher an Bahnhofshallen. Ich steuerte einen Pub etwa 30 Meter weiter an. "The Waterloo" war recht gut gefüllt und ich bestellte bei der kurzhaarigen, blondierten Wallküre ein Tennent's. Als mir dann ein junger Mann von der Seitentheke erst zuzwinkerte und dann zuprostete, wurde ich doch etwas stutzig. Ich schaute mich um und bemerkte dann, dass hier fast ausschließlich Männer herumsaßen und der Laden doch sehr blumig eingerichtet war. Spätestens die Regenbogenfahne über der Theke ließ die Situation endgültig klarer werden. Ich trank aus und lief zur Metro. Als ich den Pub verließ, schaute ich noch mal zurück. Ich hätte schwören können, als ich den Pub betrat war dieser von außen noch nicht knallig lila gestrichen. Ich nahm die Metro zu Ibrox. Hier musste ich noch mein Ticket am Ticket Office abholen. Ich trat aus der U-Bahn-Station heraus, ging um zwei Ecken herum und sah diese Schönheit. Das Ibrox Stadium ist schon ein imposantes Gebäude. Tradition pur und ein richtig schönes Backsteingebäude. Schnell das Ticket geholt, dazu ein Programm sowie zwei Pins.




Da es noch viel zu früh für den Stadionbesuch war umrundete ich selbiges und ging dann zum Fish & Chips-Shop "The Sportsman". Hier bestellte ich dann den Klassiker mit Vinegar auf den Fritten. Schon während des Essens entwickelte sich ein standesgemäßes Sodbrennen. So gehört sich das. Direkt gegenüber befand sich "The Louden Tavern". Mehr Supporter Pub geht nicht mehr. Komplett in Vereinsfarben mit unzähligen Erinnerungsstücken, Wimpeln und Bildern dekorierter Pub von Fans für Fans. Ich holte mir das nächste Belhaven Best, von denen noch einige folgen sollten und sog die Atmosphäre auf. Zwischenzeitlich lief
immer wieder eine Servierkraft mit Sandwiches für lau herum. Die ideale Einstimmung für dieses Spiel. Der Helm war nun schon gut lackiert und ich machte mich auf den Weg rüber ins Stadion. Das Drehkreuz war schnell passiert und ich nahm die Treppen in Richtung Oberrang. Von außen ist dieses Stadion schon eine Ansage, aber von innen ist es echt ne Art Offenbarung. Kein Luxus, kein steriler Mist, kein Chi Chi, einfach nur ein Stadion für den rustikalen Arbeitersport Fußball. Genau so will man das. Das pure Gegenteil der heutigen Arenen. Da ich noch etwas Zeit hatte, dachte ich mir, ich könne mir noch ein weiteres Pint vor dem Spiel gönnen. Haste dir so gedacht, Naschkatze! Hier gab es nur Fanta, Tee und all den anderen Mist. Aber kein Bier, nicht ein einziges. Gut, dann ging ich nochmal austreten und wollte mich auf meinem Platz begeben. Im Stadioninneren war ich etwas überfordert meinen Platz zu finden, deshalb fragte ich einen Steward. Ich war mir sehr sicher einen Platz in der ersten Reihe des Oberrangs zu haben. Nee, meinte er. Ich hätte einen in der letzten Reihe des Oberrangs. Da war er sich sehr sicher. Herzlichen Glückwunsch! Schon blöd, wenn man einen Stadionplan nicht lesen kann und sich mal wieder so einen Rotz gebucht hat. Ich setzte mich auf meinen Platz und das Stadiondach schloss direkt mit der gegenüberliegenden Außenlinie ab. Der Gästeblock oder die anderen Tribünen waren nicht zu sehen. In Halbzeit zwei setzte ich mich zwar 4 Reihen weiter vor, änderte aber nicht wirklich viel. Sicht auf das Spielfeld war gegeben, aber auf den Rest halt nicht.

Der sportliche Faktor ist schnell erzählt. Die Rangers hatten im Spiel zuvor überraschend gegen die Hearts den kürzeren im Pokal gezogen und schieden aus, gegen den Tabellenletzten. Durch den gestrigen Sieg der Hearts war nun Hamilton neuer Tabellenletzter. Die Rangers waren klar das überlegene Team und zu dämlich sich gute Chancen herauszuspielen. Hamilton beschränkte sich auf Spielzerstörung und setzte sich lediglich mit Kontern und harten Zweikämpfen in Szene. Fußballerisch ein Desaster. Die Stimmung war angespannt und wenig euphorsich. Als die Gäste in der zweiten Hälfte mit ihrer ersten wirklich gelungenen Offensivaktion das 1:0 in die Maschen stolperten, kippte die Stimmung komplett. Am Ende wurden Steven Gerrards Spieler sogar ausgepfiffen. Das Stadion leerte sich zum Schlusspfiff immer mehr. Nach Spielende schaute ich mich noch mal um. Herrliches Stadion. Gehört mit der alten White Hart Lane, dem Villa Park und Hillsborough zu den Schönsten, in denen ich je sein durfte. Leider war das Gekicke nicht standesgemäß. Ich ging zurück zur Metrostation und war dennoch zufrieden. Hier bildete sich eine meterlange Schlange, um die Fans abzutransportieren. Sich da nun einzureihen machte überhaupt keinen Sinn. Stattdessen wollte ich etwas sinnvolles machen und kehrte wieder in "The Louden Tavern" ein und nahm zur erneuten Abwechslung ein weiteres Belhaven Best zu mir. Hier war es nun nicht mehr ganz so voll wie vor dem Spiel, aber dafür wurden nun zu den Sandwiches auch noch Pies gereicht. Ich lehnte dankend ab, denn der Geschmack des letzten Pies aus Stoke lag immer noch pelzig auf meiner Zunge. Als sich die Schlange zur Metro aufgelöst hatte, nahm ich eine der letzten Bahnen zurück Richtung Unterkunft.

Aber irgendwie hatte ich noch keine Lust ins Bett zu gehen. Somit kehrte ich noch mal zur Verlängerung in "Delhoms Bar" ein. Hier fand ein Karaokeabend statt. Ich holte mir zur Abwechslung ein Ale und betrachtete das Treiben. Offensichtlich waren hier einige Arbeitskolleginnen unterwegs und feierten sich selbst. Sie gaben alles und es war lustig mit anzusehen. Ich blieb gut eine Stunde und hatte meinen Spaß. Dieser verflüchtigte sich, als sich drei deutsche Groundhopper neben mir plazierten und irgendeinen Stuss laberten. Nicht zum aushalten. Als mich einer dieser Vögel anquatschte und irgendwas fragte trank ich aus, sagte "NO!" und ging. Keine Ahnung was der eigentlich wollte, aber meine Antwort erschien mir aus meiner Sicht passend. Zurück im Hotel legte ich mich ab und schlief zufrieden ein. Am kommenden Morgen saß ich um 9:00 im Bus zum Airport. Nach dem Einchecken gönnte ich mir endlich ein Full English...ähh...Scotisch Breakfast und trank mein letztes Tennent's. Nachdem ich in London Heathrow ankam musste ich zwei Stunden Wartezeit bis zum Anschlussflug überbrücken. Das ging natürlich mit zwei London Pride wesentlich einfacher als ohne. Der Rückflug nach Rhein-Main war ereignislos. Zurück zu Hause war ich froh auch diese Tour gemacht zu haben, denn wie es sich andeutete, sollte dies vorerst die letzte Tour dieser Art gewesen sein.

Bleibt gesund und Casual 4 life!